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Die Berufung auf schwankende Blutzuckerwerte im Rahmen eines Strafverfahrens wegen Beleidung hatte für einen Diabetiker letztendlich den Führerscheinentzug zur Folge.

Gegen den Diabetiker wurde ursprünglich ein Strafverfahren wegen Beleidung geführt. Er soll eine Autofahrerin sowie deren Beifahrerin mit Schimpfwörtern überzogen haben, die bei einem Ausparkmanöver das Auto des Diabetikers anfuhren. Gegenüber der Staatsanwaltschaft legte der Diabetiker deswegen ein ärztliches Attest vor, wonach er unter starken Blutzuckerschwankungen leide. Bei niedrigen Blutzuckerwerten könne ein unbeabsichtigtes aggressives Verhalten nicht ausgeschlossen werden.

Die Staatsanwaltschaft stellte das Strafverfahren ein, informierte jedoch die Fahrerlaubnisbehörde über den Vorgang. Der Diabetes war dort bisher nicht bekannt. Die Fahrerlaubnisbehörde forderte anschließend den Diabetiker auf, ein medizinisches Gutachten zum Nachweis der Fahrtauglichkeit einzureichen. Der Diabetiker verwies darauf, dass er nicht über die ausreichenden Mittel verfüge, um ein solches Gutachten zu bezahlen.

Die Fahrerlaubnisbehörde entzog dem Diabetiker daraufhin die Fahrerlaubnis. In einem gerichtlichen Eilverfahren versuchte der Diabetiker erfolglos die Fahrerlaubnis zumindest vorläufig zurück zu erhalten. Das Verwaltungsgericht Ansbach (Beschluss vom 29.05.2012, AN 10 S 12.00716) war der Überzeugung, die durch den Diabetiker getätigten Beleidigungen und das der Staatsanwaltschaft vorgelegte Attest  belegen würden, dass der Diabetiker sich bei niedrigen Blutzuckerwerten nicht unter Kontrolle habe. Das Gericht stimmte der Fahrerlaubnisbehörde in der Annahme zu, dass wegen der Nichtvorlage des Gutachtens die Vermutung bestehe, dass der Diabetiker fahruntauglich sei.

Durch die Entscheidung wird erneut deutlich, dass Diabetiker genauestens überlegen sollten, wenn sie negatives Verhalten insbesondere mit einer Hypoglykämie entschuldigen wollen.

Gerade wenn es sich wie in dem geschildertem Fall um einen Vorfall im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr steht, ist äußerste Vorsicht geboten. Bei kleinen Delikten wie z.B. Beleidigung, sind die Konsequenzen eines Strafverfahrens meist besser und auch kostengünstiger für den Diabetiker als der Verlust des Führerscheins bzw. die Kenntnis der Fahrerlaubnis von dem Diabetes. Bevor man sich deswegen zur Entschuldigung von Fehlverhalten auf den Diabetes beruft, sollte man sich über die Konsequenzen informieren.