Gästebuch Juli 2005
Matthias Drexelius, Bürgermeister von Usingen (Taunus, Hessen), Juli 2005
Badeunfall am Hattsteinweiher: Information erst nach 40 Minuten

Sehr geehrter Herr Lüke, gerne würde ich mit Ihnen die grundsätzliche Frage der Badesicherheit besprechen, da dieses Thema immer wieder Gegenstand der Diskussionen in unserem Hause ist. Gerne würde ich auch die Informationen, die Sie in Ihrem Bericht wiedergeben, in Teilen korrigieren, denn die Fakten stellen sich vorliegend anders dar, als dies von Ihnen beschrieben wird.

Ich möchte aber auch gleich klarstellen, dass ich hier nichts schön reden möchte, sondern alles dafür tun möchte, dass eine solche Tragödie nicht wieder geschieht. Ich selbst bin in unserem Weiher seit meiner frühesten Kindheit Badegast und die Situation war schon immer so, dass eine Badeaufsicht nicht vorhanden ist. Da Sie sich augenscheinlich mit der Thematik vertieft beschäftigen, wäre ich dankbar, wenn Sie mir Ihre Sichtweise schildern könnten und wie aus Ihrer Sicht eine Vermeidung von Gefahren effektiver herbeigeführt werden könnte. Wegen der zuvor angesprochenen Richtigstellungen möchte ich nur darauf hinweisen, dass nach den mir bekannten Aussagen und Informationen der Vater um etwa 16 Uhr letztmaligen Sichtkontakt mit seinem Sohn gehabt hat, der nicht schwimmen konnte und nicht ins Wasser gehen sollte. Nachdem er dies bemerkte, vermutete er wohl, dass sein Sohn in den nahen Wald bzw. auf die Toilette gegangen sei. Erst nach längerer Suche ergab sich dann wohl der Verdacht, dass der Junge im Wasser sein könnte. Die Alarmierung der Polizei nach etwa 40 Minuten und die daraufhin umgehende Alarmierung der Rettungskräfte erfolgte also so spät, dass wohl eine Rettung nicht mehr möglich gewesen wäre.

Entgegen Ihrer Darstellung waren die Rettungskräfte bereits vor Ort, als die beiden Jugendlichen den Vater und Herrn Neumann senior fragten, ob denn schon jemand im Wasser gesucht habe. Dies wurde verneint und nach wenigen Sekunden war der Junge gefunden, der dann sofort zur Wiederbelebung übergeben wurde. Hilferufe oder das Aufmerksam machen der anderen Badegäste erfolgte nicht. Unrichtig ist das Zitat, das Sie von mir gebracht haben. Dies habe ich so nie gesagt und bitte auch darum, dass dies so nicht wiedergegeben wird. Interessieren würde mich auch, wo Sie das Internetzitat über den Weiher gefunden haben, da ich dies gerne korrigieren lassen würde, damit kein falscher Eindruck entsteht. Was die Frage der Einsehbarkeit der Besetzung der DLRG-Hütte betrifft, so werden Sie feststellen können, dass dieselbe umfassend gegeben ist. Wenn sich jemand am Wasser aufhält, erkennt er normalerweise problemlos, ob die Hütte besetzt ist oder nicht. Es gäbe noch einige Gesichtspunkte, die man im Rahmen Ihres Berichtes ansprechen und diskutieren könnte. Ich verstehe aber auch, dass es teilweise so sein muss, dass man möglichst plakativ und effektnutzend versucht, auf die Gesamtproblematik aufmerksam zu machen. Ich habe deshalb kein Problem damit, wenn Sie den Fall in Usingen in der Art und Weise nutzen möchten, wie Sie dies getan haben. Ich weise allerdings nochmals darauf hin, dass die von Ihnen gewählte Darstellung mit der tatsächlichen Sachlage nicht in allen Punkten übereinstimmt. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ratschläge oder Informationen zukommen lassen könnten, wie aus Ihrer Sicht eine Verbesserung der Sicherheitssituation am Weiher in Usingen herbeigeführt werden kann.

Sehr geehrter Herr Drexelius, wir freuen uns über Ihren Brief und Ihr Engagement für mehr Badesicherheit. Ihr Zitat - wir werden es aus der Meldung in der Blausand-Rubrik Aktuelles und Aktionen löschen - stammt aus einem Bericht der Frankfurter Neue Presse, die Meldung über die Bewachung des Weihers vom 23.6.2005 steht im Internet auf der Webseite www.rein-main.net. Blausand.de-Ratschläge für mehr Badesicherheit in Deutschland entnehmen Sie am besten der Blausand.de - Dokumentation zum Beach Safety Day und den darin enthaltenen Forderungen. Wenn diese auch nur zum Teil umgesetzt würden, gingen die Ertrinkungszahlen deutlich zurück.


Özkan Arslan, Trier, Juli 2005
Barbate in Andalusien: "...der Ort, an dem meine Schwester ertrank"

Lieber Rolf, es ist schon etwas länger her, dass ich Dich besucht habe, aber ich habe Dich und Blausand.de nicht vergessen. Das Gespräch mit Dir hat mir geholfen. Mit ein paar Freunden arbeite ich weiter an der Verbesserung der Strandsicherheit in Barbate (Andalusien/Spanien), dem Ort, an dem meine Schwester ertrank. Ein Briefwechsel mit dem dortigen Bürgermeister brachte - allen Erwartungen entsprechend - keinen Fortschritt, so dass wir jetzt eine Aktion auf eigene Verantwortung durchziehen werden. Diese Aktion besteht zunächst darin, ein Warnschild anfertigen zu lassen und es dort am Strand selbst anzubringen. Eine Flugblattaktion kann / wird folgen. Zur Zeit recherchiere ich, welches Warnschild sich am besten eignen würde. Welches Symbol ist international anerkannt und sollte am besten benutzt werden? Ich danke für Rat und Hilfe.

Die Schwester von Özkan Arslan kam 2004 in Andalusien / Spanien an einem unbewachten Badestrand ums Leben. Es wäre sinnvoll, ein mehrsprachiges wetterfestes Schild (Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch) mitzunehmen und den Bürgermeister vorher noch einmal um Genehmigung zu fragen. Standards für Warnschilder gibt es bisher nicht. Falls das nicht funktioniert, würden wir das Schild ohne Genehmigung aufstellen und neben dem Bürgermeister die spanische Presse vor Ort einladen. Eventuell gibt es auch eine deutschsprachige Zeitung für Urlauber. "Sanfter Druck", Hartnäckigkeit und Medienpräsenz wirken manchmal Wunder - nicht nur auf Formentera.


Marcus Schröer, Bocholt, Juli 2005
...da passiert schon nix..."

Hallo Herr Lüke, bin über einen Zeitungsbericht auf ihrer Seite aufmerksam geworden. Als erstes möchte ich ihnen alles erdenklich Gute und Beste für ihren selbstlosen Einsatz hier wünschen! Es passiert so viel auf unserer Welt und den Verlust eines Menschen, wie in ihrem Fall, macht mich natürlich auch sehr nachdenklich, gerade darum, da es ja auch mal wieder in einer Situation des alltäglichen Lebens vorgekommen ist. Schade, dass es immer mal wieder so traurig kommen muss. Ich fahre nächste Woche mit meiner Familie nach Frankreich in Urlaub und natürlich ist da Wasser. Habe eben von ihrer Blausand.de - Seite meiner Frau berichtet und gesagt, ich werde auf jeden Fall alles daran setzen,dass es beim Baden immer unter bester Aufsicht abgeht. Ist klar. Das sagt jeder, ,jedoch haben Sie mir die Augen geöffnet, man muss immer und gerade hier in der Freizeit an das Gefährliche denken. Ich werde nicht mehr am Strand dösen und denken "Da passiert schon nix". Dies musste ich ihnen einfach mal mitteilen und bedanke mich nochmal recht herzlich für ihren Appell an die Öffentlichkeit!!


Betina Quägber-Zehe, Bad Homburg, Juli 2005
...melde mich ab zum Beobachter-Dienst

Ich fahre am Sonntag nach Formentera, aber ich wollte Dir kurz berichten, daß mich viele Leute auf Blausand.de angesprochen haben, weil ich in einen Link darauf gelegt habe. Ich hoffe, daß es etwas nutzt und melde mich ab zum Beobachter-Dienst. Allerdings gehen wir drei meist schon um 8 h zum Arenals an den kleinen Felsen vor Flipper/Pirata, da sind noch kaum Leute da, aber auf die Verrückten, die um die Zeit am Strand sind, passen wir dann schon auf! Die socorristas kommen meist erst gegen 10/11 Uhr, aber auch die im Juli/August üblichen Menschenmassen mit den Rollern kommen dann auch erst aus Ihren Kojen und dann verziehen wir uns zu Fuß durch den Wald zum Frühstück nach Hause. Eine schöne Zeit für Dich, ich melde mich im August und berichte von meinem/unserem Lieblingsstrand.


Anja Hettinga, Aubel/Belgien (bei Aachen), Juli 2005
Rip-Strömungen: Albträume und Angstgefühle

Hallo, soeben habe ich auf Ihrer Hompepage die Informationen über Rip-Strömungen gelesen - und wünschte, ich hätte sie vor unserem Spanienurlaub Anfang Juli gelesen, dann hätte ich jetzt nicht immer wieder Albträume von Meer und Wellengang.

Ich war in einer bewachten breiten Bucht, rechts und links von Klippen begrenzt und mit einer vorgelagerten Sandbank, bei Wind vom Meer kommend und mittlerem Wellengang ins Meer gegangen und wollte eigentlich nur soweit ins Wasser, dass ich noch stehen konnte, aber einige kräftige Wellen ergriffen mich und trieben mich nicht nur weiter ins Meer hinaus, sondern auch seitlich auf eine der Klippen zu. Einen kurzen Moment versuchte ich, gegen die Wellen anzuschwimmen, merkte aber schnell, dass dies keinen Sinn hatte und nur Kräfte kostete. Ich winkte Schwimmern zu, die auf der Sandbank standen, konnte aber ihre Reaktion nicht mehr sehen, auch nicht, ob der Rettungsschwimmer am Strand mich gesehen hatte, da die nächsten Wellen mich ergriffen und weiter zur Klippe trieben. Ich konnte nichts mehr tun als die "Ankunft" bei den Klippen abwarten. In diesem Moment, auch wenn er letztendlich nur sehr kurz war, gingen mir doch Gedanken durch den Kopf wie "das kann es doch nicht gewesen sein" - ein Bewusstsein der Todesgefahr fing an, sich in mir breitzumachen, aber bevor ich echt in Panik geraten konnte, hatte ich die Klippe erreicht und alles war ganz leicht: die Klippe fiel nicht steil ins Wasser, sondern hatte unter Wasser einen Vorsprung, auf dem ich mit den Füssen Halt fand, während ich mit den Händen einen Vorsprung oberhalb des Wassers ergreifen konnte, so dass die Wellen mich nicht zurück ins Meer ziehen konnten. Ich kletterte die Klippe mühelos hinauf und gelangte so wieder zum Strand, wo meine Familie noch im Sand spielte und von alledem nichts bemerkt hatte. Es ist alles noch einmal gut gegangen und natürlich werde ich mich bei zukünftigen Strandaufenthalten anders verhalten und auch meinen Kindern die Gefahren und den nötigen Respekt vor dem Meer vermitteln.

Aber so eine Erfahrung, auch wenn sie gut endet, geht nicht spurlos an einem vorbei. Im Negativen sind dies die genannten Albträume und Angstgefühle (glücklicherweise wohnen wir weit weg vom Meer und ein Strandurlaub ist in nächster Zeit auch nicht mehr geplant). Aber es gibt auch Positives, denn so ein Erlebnis öffnet einem auch die Augen und lenkt den Blickwinkel darauf, was einem wirklich wesentlich ist im Leben, unsere Familie hat es jedenfalls enger zusammengebracht als je zuvor. Nur schade, dass es dazu dieses gefährlichen Erlebnisses meinerseits bedurfte. Während mir als Mutter zweier Kleinkinder die Gefahr des Ertrinkens dieser Altersgruppe sehr bewusst ist, wurde ich erst durch Ihre Homepage darauf aufmerksam, in welchen Grössenordnungen auch Erwachsene und gute Schwimmer ertrinken. Etwa 1000 pro Jahr in Spanien und einige Hundert selbst in Deutschland - das verschlug mir echt die Sprache. Ich werde mich bemühen, in meinem Familien- und Freundeskreis diese Gefahren bewusst zu machen und werde Blausand.de mit Mitgliedschaft und Spende unterstützen (folgt in den nächsten Tagen). Mit freundlichen Grüssen (aber weichen Knien und etwas zittriger Hand, während ich über mein Spanienerlebnis schreibe).

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