Gran Canaria
Die Urlauberinsel Gran Canaria ist geprägt von Traumstränden unterschiedlicher Art: von keinen Badebuchten, die man nur mit dem Schiff oder anstrengende Fusswege erreichen kann (Playa de Güigüi im Westen) bis hin zum endlos langen Strand an der beeindruckensten Sandfläche der Insel (Dunas de Maspalomas und die Strände von Maspalomas sowie die Playa del Inglés).

ImageMassen von Urlaubern meist mittleren Alters erholen sich vom trüben Wetter in Deutschland. Die Strände laden entweder zum Sonnenbaden, zu ausgiebigen Spaziergängen oder auch zu einem verlockenden Sprung in die Fluten ein.

Gran Canaria ist eine ideale Lösung für einen Strand- und Sonnenurlaub in der deutschen Nebensaison. Die gute Alternative zwischen zeitraubenden Fernflügen und den zwischen November und Mai nicht gerade sommerlich warmen Balearen.

Und wie ist es mit der Badesicherheit auf Gran Canaria? Man muss wissen, dass Baden im Atlantik schnell zu unberechenbaren Gefahr werden kann, vor allem dann, wenn hohe Brandung und starke Unterströmungen den Rückweg abschneiden.

Wir überprüften die Strände auf Gran Canaria - der erste Eindruck war durchaus gut.

An den populärsten Stränden Playa de Maspalomas und Playa del Inglés - beide im Süden der Insel am Naturreservat der Maspalomas-Dünen gelegen - gibt es meist besetzte Wachtürme, Warnflaggen, mehrsprachige Warnschilder zu deren Bedeutung, mehrere Erste-Hilfe-Stationen und Fahrzeuge des Cruz Roja, die gelegentlich auch die weitläufigen Strandabschnitte befahren. Mehrere Krankenhäuser sind in den südlichen Touristenhochburgen ebenfalls vorhanden.

ImageWir wollten es - wie immer - ganz genau wissen und simulierten eine Gefahrensituation, sprachen mit Rettungsschwimmern, mit Urlaubern und dn Mitarbeitern in den Rotkreuz-Stationen, überprüften die Logik der gehissten Warnflaggen, erkundigten uns nach Badeunfällen, versuchten, die Gründe dafür herauszufinden.

Die grössten Badegefahren haben mit dem Alter der deutschen, englischen und skandinavischen Urlaubern zu tun. Gran Canaria hat - von "Fun-City" der Playa des Inglés abgesehen - eine Urlauberstruktur, die meist aus 40 bis 70 - jährigen besteht und mit steigender Popularität der "all inclusive - Hotels" - für Familien mit Kindern immer attraktiver wird.

Diesen Risikogruppen wird in Hinblick auf die Sicherheit viel zu wenig Beachtung geschenkt. Der grösste Strandabschnitt Gran Canarias wird in der Hochsaison im Sommer von bis zu 100.000 Urlaubern besucht. Genau dann sind die Unzulänglichkeiten besonders deutlich: Um bei dieser massenhaften Urlauberflut schnelle Rettung zu gewährleisten, müsste sich professionelle und schnelle Hilfe direkt am Strand befinden - das ist nicht der Fall.

ImageAm gesamten Strandabschnitt ist weder ein Arzt noch ein Defibrillator (Gerät für Schockbehandlung bei Herzstillstand) vorhanden, auch nicht in der Strandzentrale des Cruz Roja an der Ostseite der Playa del Inglés. Das übliche Szenario: Bei Unfällen werden die Autos vom Cruz Roja gerufen, diese bringen Verletzte zur Zentrale (oft mehrere Kilometer entfernt), dann werden Urlauber in ein der Küste vorgelagertes Krankenhaus gebracht. Für eine schnelle Rettung, bei der lebenserhaltende Massnahmen in den ersten Minuten zwingend sind, ist diese Rettungskette viel zu zeitaufwendig. Bei den meisten Badeopfern der letzten Jahre - so ergaben unsere Recherchen - handelte es sich übrigens um Senioren.

Mehrsprachigkeit stellt ebenfalls ein Problem dar. In der Cruz Roja - Strandzentrale der Playa del Inglés fanden wir ausschliesslich Informationsmaterial in spanischer Sprache. Auch einer Verständigung in deutsch war in der Rettungsstation am populärsten Strand von Gran Canaria nicht möglich.

Der Norden und viele kleine Buchten an der West- und Ostküste sind überhaupt nicht bewacht und auch nicht mit Warnhinweisen versehen. An keinem der Strände an der Nord- und Nordwestküste von Gran Canaria gibt es die vorgeschriebenen Rettungsdienste. Legt man die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften zu Grunde, müsste eigentlich an den Stränden von Bañaderos bis Agaete das Baden verboten werden. Das Dekret der kanarischen Regierung über Sicherheitsvorschriften an den Stränden schreibt - so berichtet uns Hans Wittig aus Las Palmas - einen Rettungsdienst mit ausgebildetem Personal, eine Erste Hilfe-Station und einen auf Abruf bereitstehenden Rettungswagen zum Abtransport Verunglückter vor. Den Gemeinden im Norden der Insel sind die Kosten hierfür offenbar zu hoch, wie zumindest die Stadtverwaltungen von Agaete und Gáldar bereitwillig zugeben. An den Stränden von Puerto de las Nieves (Agaete) und San Lorenzo (Moya) gibt es zumindest an den Wochenenden eine Art Rettungsdienst, indem dort Freiwillige des Zivilschutzes die Strände beaufsichtigen.

In den übrigen Zeiten ist jeder auf sich allein gestellt. Dass sich die meisten Urlauber auf Gran Canaria im Süden und nicht im Norden aufhalten, ist nur ein schwacher Trost.

© 2006 Blausand.de


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