Mario Köpers, TUI PR-Chef, über Reiseunternehmen und Strandsicherheit
ImageVon den grossen deutschen Reiseveranstaltern engagierte sich die TUI schon vor Jahren für das Thema Strandsicherheit. Bereits im Jahr 2002 bekannte sich der grösste eurpäische Reiskonzern zu den Zielen von Blausand.de.

Der TUI  PR-Chef Mario im Interview mit Blausand.de zu Strandsicherheit und Qualitätsversprechen: "TUI steht für Qualität und Sicherheit"



Herr Köpers, seit diesem Jahr gibt es im Balearen-Katalog der TUI erfreulicherweise Hinweise auf die Strandgefahren und auf Blausand.de. Warum?

Weil wir Ihre Arbeit sehr schätzen und weil wir der Meinung sind, dass auf Ihrer Homepage wichtige Informationen stehen. Insofern sind das auch wichtige Serviceinformationen für unsere Gäste. Für uns ist aber das Thema Strandsicherheit nicht komplett neu, auch in der Vergangenheit haben wir schon im Katalog darauf hingewiesen.

Die ILS-E, die für ein europäisches Sicherheitssystem sorgen soll, hat bisher kein Konzept vorgelegt. In anderen Bereichen wie dem Strassenverkehr gibt es eine Harmonisierung und eindeutige europaweite Regeln. Warum bisher nicht an Europas Badestränden? Ist das Thema Strandsicherheit überhaupt ein Thema im europäischen Tourismusgeschäft?

Es ist ein sehr wichtiges Thema, weil es unsere Gäste betrifft. Und das Wohl unserer Gäste liegt uns natürlich sehr am Herzen. Wir wollen zufriedene und gut informierte Gäste haben und wollen vor allem, dass ihnen nichts passiert und sie wieder gesund zurückreisen. Das hat oberste Priorität. Insofern gehört das Thema Strandsicherheit zu den Dingen, die eine grosse Bedeutung haben.

Ich sehe es weniger als europäisches, vielmehr als jeweils lokales Thema. Denn Sie wissen selber: Das ist in der Regel Sache der Kommunen, es ist aber in den einzelnen Ländern auch unterschiedlich organisiert in der Verantwortung. Das heisst: Wir müssen uns über unsere Reiseleiter und unsere Zielgebietsorganisationen immer mit den einzelnen zuständigen Behörden vor Ort auseinandersetzen

ImageUnd das tun wir immer dann, wenn wir merken, dass wir hier wirklich gefordert sind und etwas für die Sicherheit der Gäste getan werden muss. Ob es darüber hinaus sinnvoll ist, auf europäischer Ebene zu versuchen, bestimmte Gesetze oder Bedingungen herzustellen, die das Thema Strandsicherheit optimieren und professionalisieren, weiss ich nicht. Darauf haben wir ehrlich gesagt auch keinen Einfluss. Wie können nur über unsere Organisationen vor Ort versuchen, hier massiv Einfluss auszuüben. Und das tun wir auch, wann immer das möglich ist.

Im letzten Jahr wurden die Sicherheitsmassnahmen auf Formentera erst einen Monat nach dem zugesagten Termin wirksam, und es fehlten die Mittel für den Treibstoff des Jet Ski, der zur Beobachtung der Nordspitze von Formentera eingesetzt werden sollte. Welche Möglichkeiten der Einflussnahme und Zusammenarbeit mit den Behörden, den Hotels und den Sicherheitsorganisationen hat die TUI in derartigen Situationen?

Für uns sind diese Situationen, wie Sie sie beschrieben haben, auch unbefriedigend, denn das heisst, dass die Sicherheitsstandards in dem Moment nicht gewährleistet sind, wie Sie sich dies und wir uns dies für unsere Gäste wünschen. Und Sie können sicher sein, dass wir über unsere Zielgebietsleiterin immer am Ball sind und mit dem Bürgermeister reden.

Sie müssen auf der anderen Seite aber auch wissen, dass uns die Spanier nicht immer mit offenen Armen empfangen und man durchaus auch ein Recht zur Selbstbestimmung und zur eigenen Entscheidungsfindung einräumen muss. Das heisst, hier muss man sehr sensibel vorgehen, und wir sind auch als grosser Konzern teilweise machtlos.

Sehen Sie sich beispielsweise mal das Thema Ökosteuer an. Ein Thema, gegen das die Reiseveranstalter Sturm laufen, das aber von den örtlichen Behörden der Balearenregierung auf Biegen und Brechen gegen alle Widerstände durchgesetzt wird. Die gesamte deutsche Reisebranche, und nicht nur die deutsche, rebelliert gegen dieses Thema, und es hilft nichts. Also auch ein Beispiel, das zeigen soll, dass uns als grossem internationalem Konzern bei wichtigen Themen einfach die Hände gebunden sind.

Können Sie zur weiteren Verbesserung der Situation finanzielle Hilfen zur Verfügung stellen?

Wir sind in 150 Ländern der Welt aktiv, wir geben viel Geld für das Thema Umweltschutz aus und es ist extrem schwer, mir den zur Verfügung stehenden Mitteln noch mehr zu tun.

Natürlich kann man bei einzelnen Projekten darüber diskutieren: Macht es Sinn, aber man muss an dieser Stelle auch fragen: Was tun denn die anderen? Ich bitte das nicht falsch zu verstehen: Wie sind durchaus bereit, das Thema Strandsicherheit zu unterstützen, es kann aber auch nicht sein, dass sich die zuständigen Stellen aus der Verantwortung ziehen.

Welche Stellen sehen Sie denn in der Verantwortung?

Wir haben ja über die Kommune gesprochen, und Sie sagen, dass die finanziellen Mittel fehlen. Da frage ich mich aber: Wo bleiben denn die ganzen Gelder, die von den Touristen in die Kassen der Kommunen hineingespült werden?

Die Kommunen werden sicher keine Organisation für Strandsicherheit unterstützen, wenn sie nicht mal Geld haben, um ihre eigenen Rettungssysteme zu finanzieren.

Die Behörden haben das Geld, aber sie verwenden es für andere Zwecke. Man kann uns dann aber nicht zum Vorwurf machen, wenn wir keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung stellen. Das ist Sache der Kommunen. Wir sehen die Notwendigkeit, aber es kann nicht sein, dass alles nur von uns kommen muss.

Welche Rolle spielt das Thema Strandsicherheit für Ihre Gäste? Erwarten die Urlauber von Ihnen, dass Sie für die Strandsicherheit sorgen?

Sie haben sicher auch schon mal im Reisebüro eine Reise gebucht. Und wenn Sie dies tun, denken Sie in dem Moment an einen schönen Strand, an Palmen und an Wasser und vielleicht als allerletztes an das Thema Strandsicherheit. Ich glaube, das geht Millionen Deutschen beim Buchen so. Und es wird wahrscheinlich kaum einer im Reisebüro nach diesem Thema fragen.

In dem Moment, in dem sich der Kunde für einen Reiseveranstalter entscheidet, denke ich allerdings schon, dass er damit auch gedanklich ein Stück Sicherheit kauft, pauschale Sicherheit. Beim Flug, bei der Unterbringung, beim Transport. Aber das findet dann mehr unterschwellig statt. Und der Name TUI steht für Qualität und auch für Sicherheit.

Passen sorgloser Urlaub und Informationen zu Gefahren am Strand überhaupt zusammen?

Erst vor Ort wird möglicherweise durch irgendein Ereignis das Thema Sicherheit dann ein Thema werden, meistens erst dann, wenn wirklich etwas passiert ist. Ich bin persönlich der festen Überzeugung, dass es ansonsten für Urlauber nicht wirklich relevant ist, beziehungsweise die Sicherheitshinweise durch die Behörden und Reiseveranstalter nicht wirklich ernst genommen werden. Das ist bedauerlich, aber leider bittere Realität.

Nun gibt es aber spezielle Gegebenheiten an den Stränden wie zum Beispiel an der Platja Migjorn auf Formentera oder auch auf Mallorca, die die Strände objektiv gefährlich machen. Wenn dann unverantwortliches Verhalten der Urlauber dazukommt, wird es kritisch.

Umso mehr sind wir natürlich gefordert, die Leute, die eigentlich eher sorglos in ihren Urlaub gehen, über diese Themen zu informieren und darauf hinzuweisen - ob das nun Strandsicherheit ist oder Kriminalität.

All das machen wir auch, nicht nur auf Formentera und nicht nur wegen unserer Verantwortung den Gästen gegenüber, sondern auch aus einem gewissen Selbstschutz heraus. Denn wenn etwas passiert, sind wir als Reiseveranstalter natürlich in der Pflicht, unseren Kunden zu helfen. Vorbeugung durch gute Vorabinformationen ist da allemal besser.

Formentera hat ja im Jahr 2000 ein neues Sicherheitssystem getestet, das 2001 von den anderen Baleareninseln übernommen worden ist. Wie bewerten Sie dieses System?

Es ist ein toller Erfolg und ein erheblicher Fortschritt, wenn das Sicherheitssystem, das sich dort bewährt hat, von den anderen Baleareninseln übernommen wird. Wie gut das System wirklich ist, kann ich und können wir als TUI nicht beurteilen. Das müssen Gesellschaften wie zum Beispiel DLRG bewerten, die mehr Sachverstand haben.

Das Internet wird ja bisher bei Reisen eher als Informationsmedium, noch weniger als Buchungsmedium genutzt. Welche Rolle kann das Internet bei Informationen zur Strandsicherheit spielen?

Sie haben Recht, das Internet ist in unserer Branche bisher ein Informationsmedium, weniger ein Buchungsmedium. Und vor diesem Hintergrund sollte man prüfen, ob man dort auch Informationen zum Thema Sicherheit einstellt, nur müssen es "gute", also die richtigen Informationen sein, und die können nur von Fachleuten, also von Sicherheitsexperten kommen.

Grundsätzlich sage ich dazu erst einmal ja und es wäre sicher vorstellbar, bei den Zielgebietsinformationen im Internet Verlinkung zu Blausand.de herzustellen. Für unsere Gäste wäre dies eine zusätzliche Serviceinformation. Wir werden versuchen, das umzusetzen.

Man kann das kritische Thema "gefährlicher Strand" durch ein Positivthema "bewachter Strand" ersetzen.

Dann müsste aber auch sichergestellt sein, dass die Bewachung tatsächlich durchgehend stattfindet. Wenn wir die Informationen veröffentlichen, muss sich der Gast auch darauf verlassen können. Sonst hätten wir ja - wenn ein Rettungsschwimmer fehlt - den schwarzen Peter.

ImageAber noch mal: Ich glaube nicht, dass ein Hinweis wie "bewachter Strand" wirklich etwas bringt. Denn vor der eigentlichen Urlaubsreise dürfte die Strandsicherheit nur wenige Gäste interessieren. Wesentlich effizienter sind da schon die Warnhinweise vor Ort, über Broschüren, in unseren Info-Mappen und insbesondere den Begrüssungscocktails - so wie wir es heute schon machen.

Man kann die Informationen auf lokaler Ebene geben. Den Behörden auf den Balearen stehen seit der Saison 2000 genaue Daten zur Frequentierung der Strände, zu den objektiven Gefahren und zu der Anzahl und Art der Unfälle an jedem Strand zur Verfügung.

Je genauer die Daten, umso besser. Alle Bemühungen, die Sicherheit an Europas Stränden und die Sensibilität der Gäste für dieses Thema zu verbessern, sind uns willkommen.
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