Algarve: Strandsicherheit inclusive (2006)

ImageDie Strände der Atlantikküste im Süden Portugals gehören zu den schönsten Plätzen in Südeuropa. Vom Masssen- und Billigtourismus ist das Land bisher verschont geblieben.

Aber wie sieht es mit der Sicherheit der Urlauber im Wasser aus?

Anfang Juli 2006 besuchte Blausand.de die Strände an der Algarve und kam dabei zu überraschenden Ergebnissen.

Es ist der Abend des Endspiels und wir kommen so gerade noch rechtzeitig in unserem Urlauberhotel in Armacao de Pera westlich von Albufeira an. Das einheimische Personal und die wenigen Deutschen vor der Leinwand in der Tapas-Bar des Hotels sind  nicht so richtig zu begeistern.

"Mensch", sagt die hervorragend Deutsch sprechende Portugiesin hinter der Theke, als sie uns den vinho verde serviert, "stellt Euch vor, Deutschland gegen Portugal, dann wär hier aber die Hölle los gewesen". Wir zucken mit den Schultern.

Es hat nicht sollen sein. Aber es hätte auch sein können.

ImageFünfzehn Kilometer von hier hat Luis Figo, der geniale Weltstar, seine Quelle für die Nebeneinnahmen direkt im Hafen von Albufeira angekauft. Zusammen mit seinem Freund Paulo China, der nicht so viel von Fußball, dafür aber mehr von Gastronomie versteht, besitzt er eine Bar namens Seven.

Wir hätten nicht übel Lust, auf einem Drink vorbeizufahren, aber Miguel, unser portugieischer Kameramann, meint: "Luis? Der ist noch nicht wieder hier. Der muss erst mal den vierten Platz verdauen und ist noch in Deutschland".

Außerdem wollen wir uns mit dem Südwestrundfunk für einen TV-Bericht die portugiesischen Strände ansehen und uns einen Eindruck von der Sicherheit im Wasser verschaffen.

Image Also runter an den Felsenstrand. Es ist neun Uhr, als die ersten Urlauber ans Wasser kommen. Bis zehn Uhr sind es vielleicht hundert Urlauber. Wir erwarten alles andere als eine Strandaufsicht, an diesem Strand, zu dieser frühen Urlauberstunde.

Fernando, der die Sonnenschirme und die Liegestühle verwaltet, ist gleichzeitig auch der verantwortliche Rettungsschwimmer vor Ort. Seit 1985 macht er das, immer im Sommer, immer an diesem Strand. Im Winter
sucht er sich einen anderen Job und ist für die Aufsicht am Hotelpool zuständig.

Wir haben so unsere Zweifel mit der Ausbildung, aber diese, so versichert uns Fernando - durchtrainiert und sprachkundig - "dauert einen ganzen Monat, dauert hundert Stunden. Dann kommen die Prüfer aus Lissabon und schauen, ob ich alles weiß und alles kann".

Image Nicht nur Fernando beeindruckt uns, auch das Rettungsequipment der portugiesischen Wasserrettungsorganisation Instituto de Socorros a Naúfragos (ISN) bietet ein hohes Mass an Sicherheit.

Ein durch Leinen abgegrenzter kleiner Platz bietet ein Rettungsbrett, Auftriebskörper, Rettungsleinen, Warnhinweise und Telefonnummern, falls der Rettungsschwimmer in der Zeit zwischen 19 Uhr abends und 9 Uhr morgens nicht am Strand ist.

Und auch für diesen Fall ist eine Flaggeninformation für Urlauber vorgesehen: Neben Grün/Gelb/Rot ist es eine karierte Flagge, die dem Urlauber signalisiert: Jetzt musst du alleine aufpassen.

Am meisten überzeugt uns beim Material eine fest im Sand verankerte Rolle mit einem langen Rettungsseil, an das sich Rettungsschwimmer und auch Laienretter anseilen können, bevor sie ins Wasser gehen.

Wir fahren an den Strand von Alvor, ganz in der Nähe der Stadt Portimao und sind schon fast in der Nähe der südlichsten europäischen Stelle. Da, wo Europa zu Ende ist.

Image Der Strand ist breit und voll und bunt und nicht gerade übersichtlich. Aus dem Nachbarland Spanien kennen wir das Problem, was dann auftaucht: Du siehst die Warnflaggen, die Tafeln, die Rettungsschwimmer nicht und kaum jemand weiß, wo er alarmieren soll, wenn etwas passiert.

Anders in Alvor. Ausreichend Rettungsschwimmer in Abständen von 400 Metern, deren Standorte durch riesige Rettungsringe auf hohen Masten signalisiert wird. Und unter jeder dieser Ringe ist das gleiche Rettungsmaterial vorhanden, das wir schon von unserem ersten Tag in Armacao de Pera kennen.


Informationen zur Badesicherheit in Portugal:


Image grün:
Baden und Schwimmen erlaubt

gelb:
Baden erlaubt, Schwimmen verboten

rot:
Baden und Schwimmen verboten

blau/weiss kariert:
zur Zeit keine Rettungsschwimmer am Strand


Image Die größeren Strände an der Algarve sind zu einem großen Teil  in der Zeit zwischen 9 und 19 Uhr bewacht. Wellen und Wind können sich - oft um die Mittagszeit - relativ schnell verändern. Hierbei ist nicht immer gewährleistet, daß die Flaggenfarben der jeweiligen Situation angepaßt werden.

An jedem bewachten Strand befindet sich (fast immer identisches) Rettungsmaterial, bestehend aus Rettungsbrett, Schwimmhilfen, Rettungsring und einer sich abrollenden sehr langen Leine, die bei Rettungsaktionen eine zusätzliche Sicherheit für Laienretter und professionelle Retter bietet. Auf den Tafeln sind wichtige Badehinweise und Telefonummern vermerkt.

Image Die Rettungsschwimmer an der Algarve werden an den meisten Stränden durch die Restaurants am Strand und aus den Einnahmen für den Sonnenschirm- und Liegestuhlverleih finanziert.

Ein Novum seit 2006: Wer die Baderegeln - und dazu gehört auch das Badeverbot bei Roter Flagge - missachtet, kann von der Polizei zu einer Strafe von 55 Euro verdonnert werden.


Fotos: Rolf Lüke (Bremen), Nando (Portugal)


Image Links zum Thema:
Blausand.de-Report in der ARD am Donnerstag, 3.8.2006 ("ARD-Buffet")

Reiseführer "Algarve" vom Michael Müller Verlag

Portugiesische Wasserrettungsorganisation "Instituto de Socorros a Naúfragos"


Haben Sie an der Algarve Beobachtungen zur Strandsicherheit gemacht? Bitte schicken Sie Ihre (möglichst auch bebilderten) Erfahrungsberichte an






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