Mallorca
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Urlaubsklassiker mit 175 Stränden
Strandsicherheit kritisch und verbesserungswürdig
ImageSommer 1994, Porto Cristo an Mallorcas Ostküste: Innerhalb von nur 14 Tagen ertrinken insgesamt zehn Menschen, darunter auch deutsche Urlauber. 

Ein Jahr später erlebte Mallorca die grösste Ertrinkungskatastrophe seiner Tourismus-Geschichte. Im Sommer 1995 ertranken in der Bucht von Sa Coma an der Westküste der Ferieninsel innerhalb weniger Stunden fünf deutsche Urlauber.
Ein Unglück, das - wie bei fast allen Badeunfällen - durch die gefährliche Mischung aus groben Sicherheitsmängel der Behörden und bodenlosen Leichtsinn der Badenden verursacht wurde. An Tag nach dem "Schwarzen Sonntag von Sa Coma" (Stern) wurden zwar Warntafeln aufgestellt, aber ansonsten gab es an den meisten Stränden der beliebtesten Ferieninsel Europas - wie fast überall in Spanien - auch in den folgenden Jahren ausser gelegentlich gehissten kleinen roten Flaggen keinen Rettungsring, kein Motorboot, keine Rotkreuz.Helfer, keine Hochsitze, keine Warntafeln, keine Erklärung über die Bedeutung der Flaggen. Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten waren unklar.

Im Nachbarort Cala Millor gab es für Zigtausende Touristen in der Saison bis vor drei Jahren nur drei Helfer, obwohl in jeder Saison mehrere Menschen ertranken. Die Urlauber waren über die Gefahren nicht informiert.

Noch bis zum Jahr 2000 waren auf Mallorca nach gesicherten Erkenntnissen pro Saison zwischen 50 und 70 Ertrinkungsopfer zu beklagen. In jedem Jahr wurde die grosse Zahl von Opfern durch die Medien bedauert, einen Sicherheitsplan gab es nicht. Aus einer Meldung auf der website www.mallorca.de war zu entnehmen, dass 25 Urlauber allein im August 2000 auf den Baleareninseln ums Leben kamen, davon 17 auf Mallorca.

ImageErst 2001 wurden dann die ersten Bemühungen für einen Sicherheitsplan für mallorquinische Strände deutlich und es ging zunächst darum, eine Analyse zu erstellen, um zu wissen, wo Strandsicherheit am nötigsten war: Welche Strände wurden von Urlaubern auf Mallorca am meisten besucht? Wo hatte es bisher die meisten Notfälle und Opfer gegeben? Wo gab es objektive Gefahren durch besonders häufig auftretende Unterströmungen?

Anfang Mai 2001 - nachdem die kleinste Baleareninsel Formentera gute Erfolge mit einer koordinierten Strandsicherheit gemacht hatte - wurde ein "Plan zur Sicherheit an den Stränden" für alle Baleareninseln beschlossen, für den damals magere, aber immerhin 600.000 Euro zur Verfügung gestellt wurden. Als wichtigste Massnahme sollen an den Playas der Gemeinden vom Mai bis Oktober Strandwächter aufpassen, darüber hinaus sollen mehr als eine Million Broschüren an die Touristen verteilt werden, davon alleine 400.000 am Strand von Aldúdia. Ausserdem wurden an den neuralgischen Punkten feste Info-Tafeln aufgestellt. Damit die Badegäste auch selbst Hilfe rufen können, wurde an den gefährlichen Stränden Mallorcas auf die Notrufnummer 112 hingewiesen, bei der man auch in deutscher und englischer Sprache Rettungsdienste rufen kann. An den meistbesuchten Stränden und dort, wo bislang viele Unfälle passiert sind, gab es Notrufsäulen. Um im Falle der Fälle auch selbst helfen zu können, wurden Erste-Hilfe-Ausrüstungen aufgestellt, zum Beispiel leuchtend orangefarbene Rettungsringe. An Stellen mit grosser Strömung wurden Bojen befestigt, damit sich Badende in Strömungssituationen festhalten konnten.
An der Playa von Alcúdia stellte die Regionalregierung eine Rettungseinheit aus Jet-Ski und Personenanhänger zur Verfügung.

ImageReiner Dewenter, Creativdirektor in einer Düsseldorfer Werbeagentur, der es noch so gerade geschafft hatte,schilderte sein Erlebnis vor einigen Jahren so: "Ich schwamm mit meinem Sohn aus der Bucht hinaus, plötzlich zog uns ein starker Sog hinaus. Wir tauchten ab und unterschwammen die Strömung. Mit letzter Kraft erreichten wir das Ufer. Ein schlechter Schwimmer hätte es nicht geschafft." Der erfahrene Mallorca-Urlauber kennt die Tücken des Mittelmeeres. Auf Hilfe durch erfahrene Rettungsschwimmer, so sagte er seinerzeit, könne man nicht rechnen.

Der Meeresabschnitt zwischen Son Bauló und Son Serra de Marina gehört allerdings auch in den Sommermonaten nach wie vor zu den gefährlichsten Badeorten der Insel. Das Meer hat dort tückische Strömungen und türmt selbst im Juli und August bis zu zwei Meter hohe Wellen auf, die in kurzen Abständen an das Ufer angerollt kommen. Schon so manche, auch geübte Schwimmer, mussten hier ihren Leichtsinn oder ihre überschätzten Fähigkeiten mit dem Leben bezahlen.

ImageAnfang Juni 2003 machte Mallorca leider wieder negative Schlagzeilen sicherheitstechnischer Art. Weil der Krankenwagen zu spät kam, verlor ein deutscher Urlauber auf Mallorca sein Leben. Über eine Stunde nach einem Notruf sei ein Dorfpolizist erschienen, berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf Augenzeugen. Der 54-jährige habe beim Baden am Strand von Es Trenc (im Südosten Mallorcas) um Hilfe gerufen. Landsleute brachten ihn an Land und unternahmen Wiederbelebungsversuche. Der Mann sei jedoch gestorben, so schrieb El País, bevor ein Arzt eingetroffen sei. Dieser Vorfall ist ein Hinweis darauf, dass es nach wie vor an der Rettungs-Koordination mangelt.

Da das spanische Rote Kreuz auf Mallorca für die Strandsicherheit zuständig ist und die Mitglieder dieser Hilfsorganisation traditionell von den Kommunen engagiert werden, haben sich zu Beginn der Urlaubssaison 2003 erstmals (!) die Rathäuser von Palma de Mallorca und Llucmajor zusammengesetzt, um den Einsatz des Rettungspersonals ("socorristas") an der Playa de Palma inclusive Arenal zu koordinieren. Hier sind nach Angaben der beiden Städte 17 professionell ausgebildete Rettungsschwimmer im Einsatz, 2 mehr als im Vorjahr, die auf inzwischen erhöhten Wachtürmen dafür sorgen sollen, dass sich die Anzahl der Notfälle und der Ertrinkungsopfer weiter reduziert.
ImageAuch Mallorca muss laut dem balearischem Innenminister Rodriguez bis Juli 2005 die Voraussetzungen für ein neues Strandsicherheitsgesetz erfüllen. Insgesamt 400.000 Euro wollen die Küsten-Gemeinden der Balearen in Warnschilder und medizinisches Gerät investieren. Geplant sei, so eine Meldung bei www.calamillor.org, unter anderem die Anschaffung weiterer Defibrillator-Geräte, um bei Herzstillstand am Strand schneller helfen zu können. Darüber hinaus sollen mehr Schilder vor gefährlichen Strömungen warnen.

Blausand.de wird die erklärten Absichten  auf Mallorca für das Projekt "Risk Assessment 2005" (Europa-Studie für die Risikobewertung von Badestränden) unter die Lupe nehmen und kritisch überprüfen, ob die Ankündigungen auch umgesetzt werden und die gefährlichen grünen Flaggen, die oft nur trügerische Sicherheit suggerieren, endlich verschwunden sind.
 
Im Jahr 2004 ertranken auf den Balearen nach spanischen Medienberichten mindestens 43 Menschen.

Links:
Einen aktuellen Blausand.de-Bericht über die Bewertung von Badestränden auf Mallorca im Juli 2006 können Sie hier nachlesen.
Wenn Sie den Report im WDR Fernsehen per Video-Podcast sehen wollen, klicken Sie bitte hier.

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