Ertrinkungsstatistik 2006
ImageDie Zahl der Ertrinkungstoten in Deutschland ist 2006 radikal in die Höhe geschnellt: Mindestens 606 Menschen sind letztes Jahr ertrunken, 129 Menschen und damit 27 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG am Mittwoch dieser Woche auf einer Pressekonferenz in Hannover mitteilte. Und wieder starben vier von fünf Menschen in fast immer unbewachten Seen und Flüssen. Eine inzwischen skandalöse Situation.
Angesichts der am 14.3.2007 vorgestellten Statistik zu  den Badetoten im Jahr 2006 durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG fordert die Organisation für Badesicherheit in Europa, Blausand.de, eine Veränderung der Bewachungsbedingungen, gesetzliche Regelungen zur Badesicherheit sowie eine gezieltere Aufklärung über Ertrinkungsgefahren.

Wie der Gründer und Sprecher von Blausand.de, der Organisation für Badesicherheit in Europa, Rolf Lüke, am 14. März 2007 in Hannover mitteilt, seien "die bisherigen Massnahmen bei der Verhinderung von Unfällen im Wasser völlig unzureichend, um die immer grössere Zahl von tödlichen Ertrinkungsunfällen in Deutschland wirksam zu reduzieren."

Es sei ein Skandal, so Lüke weiter, "dass die Seen und Flüsse als die mit grossem Abstand gefährlichsten Unfallorte, in denen im letzten Jahr 4 von 5 Menschen ums Leben kamen, fast immer unbewacht sind oder von den Verantwortlichen nicht wirksam abgesichert werden".

ImageDie Ertrinkungszahlen 2006 lösten bei der DLRG-Pressekonferenz am Mittwoch dieser Woche in Hannover denn auch eher Ratlosigkeit aus.

Mindestens 606 Menschen starben im letzten Jahr, 129 Menschen oder 27 Prozent mehr als im Vorjahr. 78 Prozent davon ereignete sich in meist unbewachten Seen und Teichen (243 Badetote) und in Flüssen (227 Ertrunkene). "Für eine moderne, hoch entwickelte Gesellschaft ist diese Bilanz nicht akzeptabel", fasste der Präsident der DLRG, Klaus Wilkens (Bildmitte), die traurigen Zahlen zusammen.

Während die Zahl der tödlich verunglückten Menschen im deutschen Strassenverkehr wegen wirksamer Massnahmen bei der aktiven und passiven Sicherheit sowie eines ausgeprägten Risikobewusstseins von Jahr zu Jahr weiter absinkt, erhöht sich die Zahl der Ertrinkungsopfer und steigt - in Jahren mit hohen Temperaturen wie 2006 - sogar signifikant um mehr als ein Viertel an.

Nach Auffassung von Blausand.de wird das Ertrinkungsrisiko in Deutschland wegen der immer heisseren Sommer, der steigenden Attraktivität von Naturbadestellen und der Personalknappheit bei den freiwilligen Rettungsschwimmern auch in Zukunft noch weiter ansteigen.

ImageDetailliertes Wissen über die einzelnen Unfallursachen, Unfallanalysen und statistische Daten sind bisher unzureichend und eignen sich nicht als Basis für gezielte Massnahmen zur Erhöhung der Badesicherheit an den Unfallstellen. Zusammenhänge zwischen Schwimmfähigkeiten, Bewachungssituation und Ertrinkungsunfällen müssten micht nur behauptet, sondern gründlich erforscht werden.

So gibt es etwa bisher keine statistischen Informationen darüber, ob ein Ertrinkungsopfer schwimmen konnte und ob ein Unfallort bewacht war. Pauschale Begründungen für steigende Ertrinkungszahlen (wie etwa zu hohe Risikobereitschaft, Leichtsinn und Ahnungslosigkeit) sowie Appelle und Verbotsschilder reichen nicht aus, um die Ertrinkungszahlen zu reduzieren.

In Deutschland gibt es seit Jahren zu viele unbewachte Badestellen und zu wenig aktive Rettungsschwimmer - insbesondere an stark frequentierten Badeseen und an Flüssen. In Zeiten steigender Anforderungen im beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld und aus Gründen alternativer Freizeitbeschäftigungen sinkt die Bereitschaft von Jahr zu Jahr, ehrenamtlich und unentgeldlich Wasserrettungsdienst zu leisten.

Die Attraktivität der Aufgabe als Rettungsschwimmer sollte in der Öffentlichkeit durch verstärkte Maßnahmen in Kooperationen mit Medien, Unternehmen und Organisationen bewusster gemacht werden. Die täglichen Bewachungszeiten an Badestellen müssen bedarfsorientiert sein und die personelle Präsenz über die Ferienwochen hinaus verstärkt werden. Auch die finanziellen Bedingungen für die freiwilligen Rettungsschwimmer müssen verbessert werden.

ImageNach Auffassung von Blausand.de muß der ehrenamtliche und unentgeldliche Wasserrettungsdienst langfristig durch ein personelles Konzept mit bezahlten und ehrenamtlichen Helfern ergänzt werden, um den Bewachungsbedarf im Bereich der Badeseen und Flüsse und bei bisher schon vorhandenen Wachstationen auch wochentags und außerhalb der Sommerferienzeiten sowie bei ansteigenden Temperaturen sicherzustellen.

Auch müssen die Besucher der Badestellen (sowie deren Eltern) über Bewachungssituation und die jeweiligen Bewachungszeiten eindeutig in Kenntnis gesetzt werden.

Ertrinken ist für Kinder die zweithäufigste Todesursache nach Verkehrsunfällen. Flächendeckende Aufklärung über Ertrinkungsgefahren für Eltern, Aufsichtspersonen und Kinder im Vorschul- und Schulbereich muss intensiviert werden und obligatorisch sein. Die Beschäftigung mit Wassergefahren muss bereits im Vorschulbereich intensiviert werden.

Eltern müssen Verantwortung und Gefahren durch Medien und durch gezielte Informationen direkt an der Badestelle bewusster gemacht werden - auch für ausländische Mitbürger etwa in Form von mehrsprachigen Warnhinweisen oder durch Pictogramme.

Warnungen zu speziellen Wasser- und Badegefahren wie etwa Unterwasserhindernisse, Temperaturschwankungen, Rip- und Unterströmungen oder Gefahren durch Schiffsverkehr müssen gesetzlich vorgeschrieben sein.

ImageSicherheit muss Pflicht sein: Deutschland braucht eindeutige Gesetze, die Kommunen und Betreiber von Badestellen für die Sicherheit von Badegästen verantwortlich und haftbar macht. Es ist nach wie vor gängige und gefährliche Praxis, dass die zuständigen Gemeinden versuchen, die juristische Verantwortung für die Sicherheit von Badestellen in vollem Umfang an die Badenden und  die Eltern zu delegieren, indem sie zumeist wirkungslose Schilder (Eltern haften für ihre Kinder, Baden auf eigene Gefahr) an den See stellen, anstatt die Badestelle bei speziellen Gafahren wirksam abzusperren oder einen Aufsichtsdienst zu stellen.

Weiter fortschreitende Bäderschließungen und Schwimmeinrichtungen ohne Lehrschwimmbecken treiben Menschen an Naturseen und unbewachte Badestellen und erhöhen dadurch die Gefahren von Ertrinkungsunfällen. Sie verhindern zunehmend die Schwimmausbildung von Kindern als wichtige präventive Maßnahme gegen das Ertrinken. Blausand.de fordert den Gesetzgeber und die Verantwortlichen auf, ausreichende Möglichkeiten zur Schwimmausbildung zu schaffen. Für Lehrpläne an Schulen muss Schwimmausbildung bundesweit obligatorisch sein.

Die Wasserrettungsorganisationen planen langfristig, ausgewählte Badestellen hinsichtlich des vorhandenen Baderisikos zu bewerten. Diese Prozesse dauern viel zu lange. Blausand.de fordert die Wasserrettungsorganisationen auf, entsprechende Risikobewertungen zu beschleunigen und mit den Recherchen bereits in diesem Jahr zu beginnen.

ImageAuch in den europäischen Urlaubsländern kommen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich 35.000 bis 40.000 Menschen im Freizeitbereich ums Leben. Nach Einschätzung von Experten auf dem "Weltkongress gegen das Ertrinken" könnten achtzig Prozent aller Ertrinkungsunfälle durch präventive Massnahmen verhindert werden.  Angesichts ansteigender Ertrinkungszahlen in Europa ist dringender Handlungsbedarf geboten. Ratlosigkeit, Unkenntnis und Sparmaßnahmen einerseits und steigende Ertrinkungszahlen andererseits bestimmen die Entwicklung und stehen in einem eklatanten Missverhältnis. Jährlich reisen 100 Millionen EU-Bürger in andere EU-Länder. Innerhalb von 5 Jahren halten sich zwei Drittel der Europäer in einem anderen europäischen Land auf. Die Situation in vielen Ländern Europas ist in Hinblick auf Bewachungs- und Warnsysteme, Präsenz von Rettungsschwimmern, Informationen über Wassergefahren sowie Ausbildung und Rettungsmanagement als kritisch anzusehen, vor allem bei hohen Temperaturen und bei den Gruppen der Kleinkinder und älteren Menschen.

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