Formentera-Fiesta am 5.11.07 in Hamburg

Formentera-Fiesta in Hamburg, Foto: Michael R?merAm Montag kam es in Hamburg zu einer außergewöhnlichen und begeisternden Veranstaltung.

Der Formentera-Liebhaber und Fernsehjournalist Knut Terjung (langjähriger früherer Studioleiter vom ZDF Hamburg und früherer Sprecher der SPD-Fraktion unter Rolf L?ke (Blausand.de), Jaume Ferrer (B?rgermeister von Formentera)Herbert Wehner) hatte zusammen mit dem Kaufmann Matthias Graf Lambsdorff (Jacques' Wein-Depot) zu einer Formentera-Fiesta mit 140 Inselfans und prominenten Gästen eingeladen. Unter ihnen Formentera-Bürgermeister Jaume Ferrer, die Autorin Amelie Fried, Amelie Fried (Autorin, TV-Moderatorin), Niklaus Schmid (Inselautor)Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe, Thomas Collien vom Hamburger St. Pauli-Theater, der spanische Generalkonsul Francisco Javier Collar, Schauspielerin Karin Rasenack und Regisseur Hanno Lunin von der auf Formentera gedrehten Kult-Komödie "Mutschmanns Reise" sowie Insel-Schriftsteller Niklaus Schmid (“Formentera – Der etwas andere Reiseführer”). Die Spenden des Abends kommen der Organisation für Badesicherheit in Europa, Blausand.de, zugute.

August 2006. Als das ZDF auf der Baleareninsel Formentera einen Beitrag für das Boulevardmagazin “Hallo Deutschland” über das Engagement von Blausand.de drehte und Urlauber für ein Interview zum Thema Badesicherheit auf der Insel gesucht wurden, fand sich eine Familie aus Bremen mit drei Kindern. ImageDie Mutter hatte plötzlich Tränen in den Augen. Später hat sie geschildert, warum ihr das Thema so nahe ging. Sie und ihr Mann waren im September 1999, sieben Jahre zuvor, Zeugen des Ertrinkungsunfalls von Corinna aus Hannover und Beate aus Hamburg. Danach wurde der damalige Bürgermeister Isidor Cardona mit über 1000 Briefen, Faxen und Mails geradezu überhäuft. Innerhalb eines halben Jahres, zu Beginn der Saison 2000, war es dann plötzlich besser: Es gab sichtbare Warnflaggen, ein Orientierungssystem rund um die Insel und vor allem socorristas, Rettungsschwimmer. Am ersten Jahrestag des Unfalls, am 18. September 2000, wurde die “Sonne für Beate” eingeweiht, die der in diesem Jahr verstorbene Künstler Schoppi geschaffen hatte. Bürgermeister Isidor Torres nahm mit weiteren Gemeindemitgliedern daran teil. Unter ihnen war auch Jaime Ferrer. Von ihm wird später die Rede sein.
ImageFormentera-Treffen unterschiedlichster Prägung gab es bisher nur in Düsseldorf, Köln und vor ganz langer Zeit auch mal in Bremen.

Für die Liebhaber der Baleareninsel Formentera war es eine kleine Sensation, als in einigen Foren zu einer Image"Formentera-Fiesta" in Hamburg eingeladen wurde. Zwei Inselfreunde, der Fernsehjournalist Knut Terjung und der Kaufmann Matthias Graf Lambsdorff hatten nach Norddeutschland eingeladen. 140 norddeutsche Formenterafans sollten sich erstmalig zu einer Fiesta im elbnahen Restaurant Lambert treffen. "Sollten mehr Bewerbungen eintreffen als Plätze zur Verfügung stehen, entscheidet das Los" schreiben die Gastgeber. Der Hinweis ist mehr als berechtigt. Es gehen mehrere hundert Anmeldungen ein. Sogar Bürgermeister, Gemeindemitglieder der Insel und Besitzer mit Chefkoch des Formentera-Restaurants Pequena Isla sind angereist.

Draussen Hamburger Schmuddelwetter, innerhalb des Restaurants Formentera-Fieber, Inselgeschichten, inseltypischer Stockfisch mit einem bemerkenswerten Rotwein aus Nordspanien mit dem Namen Villa Anitan. Aber auch Nachdenkliches.

Die Fiesta ist eine kleine Reise in die Vergangenheit. Nicht nur Knut Terjung, der mit einer einmaligen Mischung aus aktuellen Inselgeschichten und nostalgischen Episoden durch den Abend führt, kann auf eine lange, 35jährige Erfahrung mit Formentera zurück blicken.

Matthias Graf Lambsdorff, Karin RasenackKarin Rasenack, Schauspielerin und Darstellerin im vor über einem Vierteljahrhundert auf Formentera gedrehten Film “Mutschmanns Reise” , eine Satire über einen missglückten Familienurlaub, machte später den Drehort zu ihrem Wohnort. Als sie bei der Formentera-Fiesta das erste Los für eine der drei gesponserten Formenterareisen zieht, ist nicht nur sie von den Socken. Was ist passiert? Auf dem Los steht ihr eigener Name. Das – so denken nicht nur wir – hätte auch und gerade auf Formentera passieren können.

Anita Hirche, Wolfgang Hirche)Wolfgang und Anita Hirche sitzen am Tisch neben uns. 1959 kamen sie zum ersten Mal nach Formentera. Noch heute sind sie Gäste auf der Insel und bringen ein Bild aus alten Zeiten mit. Darauf ein Schiff – ist es die “Manolito”, die im Jahr darauf untergegangen ist? Zeigt es die “Ciudad de Formentera”? Auf dem Bild sieht man ein Taxi, eher eine Droschke mit für heutige Autos gigantischen Ausmassen. Wie war es damals, vor fast 50 Jahren? “Anders”, sagt Wolfgang Hirche. So richtig beschreiben lässt sich das für alle Anderen, die später nach Formentera kamen, einfach nicht.

Zusammen haben die Fiestagäste, die Kurz- und Langzeitzeiturlauber, die Residenten, Autoren, Insulaner, Auswanderer und Zweitwohnsitzeigentümer – so hat Knut Terjung ausgerechnet – bestimmt 500 Inseljahre auf dem Buckel.

ImageNiklaus Schmid, einer von ihnen, liest alte und neue Geschichten aus seinem kürzlich in der 2. Auflage erschienenen “etwas anderen Formentera-Reiseführer”.

Geschichten über Bob Dylans Pullover, Mutschmanns Reise ohne Ende und über den damaligen Pressesprecher von Herbert Wehner, Knut Terjung, als dieser beim Inselkünstler Aaron Keydar eine handgerecht geschnitzte Pfeife zum Geburtstag seines Chefs in Auftrag gab.

Ich bin Nik Schmid noch immer dankbar dafür, dass er vor einigen Jahren meiner Bitte nachkam, bei einer Feier für die Ertrinkungsopfer Formenteras Texte aus seinem Buch zu lesen. Und für seinen Appell an diejenigen, die es betrifft, nachzulesen in der neuesten Auflage: “...jeder Euro, den die Gemeinde in die Strandsicherheit steckt, ist eine Investition in die Zukunft. Denn schließlich sind ja das Meer und die schönen Badestrände die Hauptanziehungspunkte der Insel und somit ihr eigentlicher Reichtum.”

Claudia Popp (Blausand.de), Knut TerjungKnut Terjung erzählt von Erlebnissen auf der Trauminsel, die das Leben von fast allen der 140 anwesenden Inselfreunde mit geprägt haben.

Nicht alle sind unbeschwert. Auf Formentera begann vor mehr als acht Jahren die Geschichte von Blausand.de gegen das Ertrinken und für mehr Sicherheit an Stränden Europas. Früher gab es Jahre mit bis zu 12 Opfern an den Stränden Formenteras. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Toten deutlich zurückgegangen.

ImageAm Tisch von Claudia und mir sitzt Jaume Ferrer. Ich sehe ihn nicht zum ersten Mal, kann mich aber nicht mehr genau erinnern. Er hilft mir auf die Sprünge: im September 2000 haben wir uns zum letzten Mal gesehen, an der Playa Migjorn, bei der kleinen Feier zum ersten Todestag meiner Schwester an der von Schoppi geschaffenen "Sonne für Beate". Auch Jaume Ferrer erwies meiner ertrunkenen Schwester damals die Ehre. Seit kurzem der neue Bürgermeister von Formentera.

Im letzten und in diesem Jahr, sagt er stolz, gab es überhaupt keine Ertrinkungsopfer auf der Insel und verspricht, sich mit den “socorristas” weiterhin für Strandsicherheit auf "seiner", auf "unserer" Insel einzusetzen. “Ein bisschen”, antworte ich Jaime und denke an die über 1000  Briefe, Faxe und Mails an die Inselverwaltung im Winter 1999/2000, “passen wir auch mit auf.”

ImageAm Tag nach der Fiesta klingelt bei mir in Bremen das Telefon.

Auch die Anruferin war unter den Gästen des Abends. Es ist Petra Wiehe aus Hamburg, mit der mich ein trauriges Schicksal verbindet. Ich erfahre vom Ertrinkungstod ihrer Mutter auf Formentera, vor 28 Jahren, zwanzig Jahre, bevor meine Schwester Beate verunglückte. Petras Mutter starb am ”Tanga-Strand” vor den Augen ihrer Familie, am 20. Oktober 1979. Die Familie musste dem Todeskampf der 63-Jährigen hilflos zusehen und ist bis heute traumatisiert. Petra Wiehe konnte Formentera erst nach 10 Jahren wieder besuchen.
© Rolf Lüke, Blausand.de 2007

Fotos:
Michael Römer, Michelsberg (Formentera)
Claudia Popp, Rolf Lüke, Bremen (Formentera-Fiesta)

Links zum Thema:
Badesicherheit auf Formentera
“Formentera von A bis Z”: Blausand.de-Inselreiseführer
Blausand.de-Tagebuch Formentera (2001)
Blausand.de-Tagebuch Formentera (2004)
TV-Beitrag “Hallo Deutschland” (ZDF): Rolf Lüke und Formentera (August 2006)

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