Platja de Muro, Mallorca: Lektion gelernt?
ImageErich Suck ertrinkt im Oktober 2003 an der Platja de Muro bei Picafort in einer Unterströmung.

Zwei Jahre später kommt Ulla Suck mit ihrem Mann an den Unfallort ihres Vaters und muss feststellen, dass sich nichts verbessert hat. Und dass der beliebte Ferienstrand im Nordosten der Urlauberinsel immer wieder Menschenleben fordert. Vor allem wegen seiner tückischen Unterströmungen.

Blausand.de traf Ulla Suck im Juli 2008 auf Mallorca. Hat sich nach fünf Jahren etwas getan? Und hätte ihr Vater heute eine Überlebenschance gehabt?

Oktober 2003. Vor fast 5 Jahren.ImageZu Hause bei Familie Suck in Nordhesen klingelt im Oktober 2003 vor fast fünf Jahren das Telefon. Erwartet wird der Anruf von Vater Erich. Aber es ist die Reiseleiterin von Neckermann aus Spanien, die die Todesnachricht nach Deutschland bringt. Am Telefon. Mit professionellem und sensiblem Verhalten hat das nur bedingt zu tun.

Im Oktober 2003 stirbt Erich Suck, der Vater Ulla Suck am ersten Urlaubstag in einer Strömung. Er wird weder vom Reiseveranstalter noch durch Warntafeln am Strand vor den gefährlichen Unterwasserbewegungen gewarnt. Erste Hilfe kommt zu spät. Erich Suck hatte keine Chance.

Ulla Suck hat später Briefe an den Reiseveranstalter Neckermann geschrieben.

Sie musste sich zurückschreiben lassen, dass der Ertrinkungstod ihres Vaters ein "tragischer Einzelfall" gewesen sei. Einzelfall? Damals und heute ertrinken Menschen. In Spanien mindestens 2000 im Jahr, auf den Balearen zwischen 50 und 70 "Einzelfälle", auch und immer wieder an der Platja de Muro.

September 2005. 2 Jahre später.Ulla ist mit ihrer Familie 2 Jahre später an der Unfallstelle und schreibt an Blausand.de: "Nachdem mein Vater im Oktober 2003 am Strand vor dem Hotel Platja Daurada in eine Unterströmung kam und ertrank, haben mein Mann und ich uns entschlossen, in diesem Sommer dort noch mal hin zu fahren und nachzuschauen, ob sich an der Aufklärung der Touristen etwas getan hat. Es war ein regnerischer Imageund etwas windiger Tag. Wir gingen direkt vom Hotel zum Strand, dort, wo die Liegestühle und Sonnenschirme stehen, wo auch die Tretboote ins Wasser gelassen werden, dort, wo das Unglück im Herbst 2003 geschah. Wir sahen auf diesem Weg kein Hinweisschild über das richtige Verhalten beim Baden, Notrufnummer oder ähnliches. Am Meer waren Wellen zu sehen- einige wenige badeten. Es war auf den ersten Blick keine Badeaufsicht zu sehen, nur wer sich bereits auskennt, weiss, dass ca. 300 m entlang dem Strand in Richtung Dünen ein Badeaufsichtshochsitz stehen müsste. Zu diesem sind wir hin gelaufen, er war nicht besetzt. Es hing ein roter Lappen an dem Stuhl. Der erste Gedanke war: Das heißt doch wohl nicht "Baden verboten!" Das erahnt doch kein normaler – unbedarfter Mensch!

Wir mussten jedoch feststellen, dass es eben doch so war: „Baden verboten!“ Richtig erkennen konnte man das nur, wenn man vom Hotel Platja Daurada ca. 500 m in die andere Richtung – zur Promenade von Can Picafort ging. Dort war die rote Flagge am Aufsichtsturm des Roten Kreuzes klar ersichtlich.

Wir gingen zurück zum Hotel Platja Daurada – am Seiteneingang von der Promenade kommend fanden wir dann immerhin doch noch ein Schild, was die Bedeutung der grünen und roten Flagge erklärte. Aber kein Hinweis darauf, wo diese Flaggen zu finden sind! An der Hotelrezeption bekamen wir die Auskunft, dass der Strand vor dem Hotel unbewacht ist und dass die Aufklärung darüber die Angelegenheit der Reiseveranstalter ist. Der Strandabschnitt direkt beim Hotel gehört zu der Gemeinde Muro, die ist für die Strandsicherheit zuständig. Der Gemeinde werden wir einen Brief schicken und nochmals auf die Missstände hinweisen."

Juli 2008. 5 Jahre später.ImageDie Frage, die sich Ulla Suck stellt: Hätte Erich am Urlaubsstrand von Muro heute, im Jahr 2008 gerettet werden können? Und: War es ein vermeidbarer Unfall? Gehört dieser Ertrinkungstod zu den achtzig Prozent aller tödlichen Badeunfälle in Europa, die durch präventive Maßnahmen hätten verhindert werden könnten?

Lange hat es gedauert, bis die Gemeinde Muro, zuständig für die Platja de Muro in der langgestreckten Bucht von Alcudia im Nordosten der Ferieninsel ihre Lektion gelernt hat. 

Am Unfallort sind im Juli 2008 fünf socorristas eingesetzt, täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 1. Mai bis 31. Oktober. An der kilometerlangen Platja übernimmt "mar.safe" eine private Rettungsorganisation, mit der die Gemeinde von Muro die Verträge für die Bewachung abgeschlossen hat, die Badeaufsicht. Rettungsschwimmer sind über Funk miteinander verbunden.

Der Jet Ski liegt startbereit im Wasser. Das Equipment für die Erstversorgung enthält neben Sauerstoff sogar einen Defibrillator.

ImageAls es unter Wasser innerhalb einer halben Stunde um die Mittagszeit zur Sache geht, die Winde stärker werden und starke unbrechenbare Strömungen durch auflandige Winde entstehen, werden die 4-sprachigen Warnschilder für die tückischen Unterwasserbewegungen, die man nur selten sieht, an den Strand gebracht. Plötzlich stehen Urlauber davor. "Ich will wissen", sagt einer, "warum die rote Flagge weht".

Jetzt wissen Urlauber endlich, auf welche Wasserbewegungen sie sich oftmals einlassen. Und was sie dagegen tun können.

An anderen gefährlichen Stränden Spaniens, das Urlaubsland mit mindestens 2000 jährlichen Ertrinkungstoten, haben wir Warnschilder mit Hinweisen für das richtige Verhalten in Strömungen noch nie gesehen.

Das Ajuntament von Muro hat die Lektion gelernt. Unter diesen Bedingungen, davon ist Ulla Suck überzeugt, hätte ihr Vater nicht ertrinken müssen. Gut sichtbare Warnhinweise vor drohenden Unterströmungen, Badeverbotsflaggen sowie aufmerksame, ausreichend vorhandene Rettungsschwimmer und professionelles Rettungsgerät: Massnahmen, die keine Sicherheit garantieren, aber tödliche Badeunfälle signifikant reduzieren können.

ImageOb allerdings die Rettungsschwimmer mit dem professionellem Rettungsmaterial die beiden vorerst letzten Unfälle im Sommer 2008 an der Platja de Muro hätten verhindern können, muss bezweifelt werden.

Ein junger Urlauber ertrinkt, nachdem er sich vorher mit später ermittelten über 3 Promille Alkohol im Blut zugedröhnt hat. Und vor wenigen Tagen stirbt ein ebenso junger Surfer nach einem epileptischen Anfall im Wasser.

Wenn Eigenverantwortung in den Wind geschrieben wird, nützen Profiretter und medizinische Stromstösse fürs Herz in solchen Fällen auch nichts mehr.

Link zum Thema:
Strände und Badesicherheit der Gemeinde Muro
(leider nicht immer aktuelle) Seite zu der Situation an Balearenstränden
Dokumentation: Strömungen - die unsichtbaren Killer im Meer
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