Heidi K?ck über Sicherheit in der Slowakei (2008)
In der Slowakei wehen die Fahnen noch anders

Mitte Juli 2008 waren wir auf Kurzurlaub in der Slowakei, die wir am Tatragebirge entlang von Ost nach West durchfuhren. Hierbei ergab sich auch ein Badenachmittag am Stausee Liptovska Mara, an dessen Nordufer sich ein riesiger Campingplatz mit öffentlichem Strandbad befindet. Während einer von uns im Schatten entspannte, lief ich Richtung Strand.
ImageWas mir sofort auffiel, war ein kaum noch zu erkennendes Hundeverbotsschild, wobei der Strand zum Teil aus Wiesenfläche und zum Teil aus grobem Kiesel bestand. An anderen Hinweisschildern kam ich nicht vorbei. Und ich entdeckte sofort einen Wachturm, der jedoch unbesetzt war. Nachdem ich mich ein wenig umgesehen hatte, erblickte ich etwas weiter westlich eine scheinbar sehr gut ausgestattete Rettungsstation.

Zumindest befand sich vor einem kleinen, eingezäunten Areal ein Holzhaus, das deutlich als 1.-Hilfe-Station gekennzeichnet war. Davor am Strand befand sich ein weiterer Wachturm, eine Bootsanlegestelle mit einem Rettungsruderboot und etwas weiter im Wasser ein motorisiertes Schlauchboot.

Auch der zweite Wachturm war unbesetzt, doch wehte hier deutlich sichtbar eine rote Flagge. Das fand ich seltsam, eine rote Flagge und so viele Leute im Wasser? Also ging ich ein Stück den Strand lang und entdeckte dann auch die Rettungsschwimmer, die es sich auf einer Holzplattform gemütlich gemacht hatten. Leider konnte ich kein Slowakisch, doch einer der jüngeren Schwimmer sprach Englisch und übersetzte auch gleich für die beiden Älteren. So Imageerfuhr ich ganz erstaunt, dass die rote Flagge kein Badeverbot bedeuten würde, sondern lediglich zu erhöhter Aufmerksamkeit mahnen würde. Aha, und welche Flagge würden sie hissen, wenn keiner mehr ins Wasser darf?

Dann würde die schwarze Flagge wehen, aber das käme nur sehr selten vor. Momentan würde gerade Wind aufkommen, der das Wasser in Bewegung setzt, daher die rote Flagge. Ansonsten, wenn keinerlei Gefahr drohe, würde die weiße Flagge wehen. Bei der Vorstellung des Hissens der weißen Flagge musste ich unwillkürlich grinsen. Keiner ergibt sich und alles ist paletti, wenn die weiße Fahne hochgezogen wird? Das war ja wirklich mal was Neues.

ImageDer junge Rettungsschwimmer wies dann noch auf zwei Schautafeln hin, die sich auf der anderen Seite des umzäunten Geländes ein paar Meter neben der Rettungsstation befanden. Wäre ich nur Baden gegangen, hätte ich die nie gesehen. Also habe ich mich bedankt und bin neugierig zu den Schautafeln gelaufen. Neben einer Kreidetafel mit tagesaktueller Luft- und Wassertemperatur (28° und 23°) wurden auf der ersten Schautafel mit vielen Bildern die Aktivitäten der Wasserretter dargestellt. Und die andere Tafel enthielt tatsächlich ausführliche Informationen zur Bedeutung der Warnflaggen, wenn auch leider nur auf Slowakisch.

Während ich auf die weiß-rot-schwarze Flaggensymbolik schaute, stellte ich mir vor, wie eine slowakische Familie im übrigen Europa Urlaub macht und an einen Strand mit roter Warnflagge kommt. „Ach, halb so wild, bedeutet ja nur erhöhte Aufmerksamkeit!“ wäre dann vielleicht die Reaktion.

Da kann man eigentlich froh sein, wenn ab 2009 ein europaweites, einheitliches Gebot für Warnflaggen existiert, oder? Hauptsache, die neue Regelung spricht sich dann auch in der Slowakei rechtzeitig und ausreichend herum, bevor bei absolutem Badeverbot statt einer schwarzen Flagge „nur“ eine rote Flagge gehisst wird.


Heidi Kück ist seit 2000 engagierte Blausand.de - Beobachterin und wohnt in Berlin.
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