DLRG: Stellungnahme Warnflaggensystem
ImageWeltweit ertrinken jährlich etwa 500.000 Menschen. In Europa kommen im Jahr mindestens 35.000 bis 40.000 Menschen durch Ertrinken ums Leben. Unkenntnis über die Gefahren ist ein wesentlicher Grund für das Ertrinken. Deshalb kämpft Blausand.de für ein einheitliches und für jeden verständliches Warnsystem in Europa sowie dafür, dass besondere Gefahren (wie zum Beispiel Unterströmungen) durch eindeutige Symbole und in Form von mehrsprachigen Warnhinweisen deutlich gemacht werden.

Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang, dass ausgerechnet bewachte Badestrände durch eine unverständliche gelb/rote Kombination der Flaggenfarben signalisiert werden sollen. Die Begründung von Blausand.de und eine Stellungnahme der DLRG lesen Sie hier.
Kleine Testfrage Sie: Welche Bedeutung steckt hinter der Flagge in gelb/rot, die schon länger an deutschen und in Zukunft auch an europäischen Stränden weht? Lösung A: Gefahren im Wasser, Lösung B: Badeverbot, Lösung C: Bewachter Badestrand. Die verblüffende richtige Antwort ist Lösung C, denn die Farbkombination aus gelb (für riskantes Baden) und rot (für Badeverbot) ist ausgerechnet Stränden zugedacht worden,  die bewacht und deshalb sicherer sind.

Mit anderen Worten: Die Farbkombination aus Warnung und Verbot steht für das genaue Gegenteil. Für Bewachung, für Sicherheit am Strand. Das wussten Sie nicht? Sie befinden sich dabei in guter (oder sollten wir sagen schlechter) Gesellschaft. Bei einer nicht repräsentativen, aber aufschlussreichen Befragung von 100 Strandbesuchern, vor wenigen Wochen durchgeführt an den Stränden der Ostseebäder Graal-Müritz und Warnemünde, deuteten 58 Urlauber die Kombiflagge als Warnflagge, 37 Befragte hatten keine Ahnung, nur 5 Strandbesucher, das sind 2 (!) Prozent, gaben die vom Dachverband der Wasserrettungsorganisationen erwünschte und gleichermaßen unsinnige Bedeutung wieder.

Wir haben das Thema an die Presseabteilung der DLRG weitergeleitet und sind gespannt auf die Reaktion. Dass ausgerechnet dieses riskante Farbenspiel jetzt von der International Standardisation Organisation (ISO) als Norm in Kraft gesetzt wurde, ist ein Rückschritt auf dem lebenswichtigen Weg zum einheitlichen und leicht verständlichen Warnflaggensystem an Europas Badestränden.

Hier die Reaktion der DLRG:

Sehr geehrter Herr Lüke,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich der neuen ISO-Norm 20712 -- 1-3. Zunächst einmal darf ich Ihnen mitteilen, dass die Presseabteilung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nicht der richtige Ansprechpartner für Ihre Fragen ist. Wir beziehen uns in unserer Darstellung auf die Festlegungen der Organization for International Standardization (ISO) in Genf. Dort zuständig für die Beantwortung Ihrer Fragen ist Communication Officer, Frau Sandrine Tranchard.

Ihre Anfrage bezieht sich im Wesentlichen auf die ISO Norm 20712, Teil 2, die die Festlegungen für das Flaggensystem enthält. Diese Bestimmungen hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) übernommen und damit klare Regelungen für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland getroffen. Nach Rücksprache mit dem Leiter Einsatz im DLRG-Präsidium, Herrn Ortwin Kreft, der auch für die ILS Mitglied des ISO-Ausschusses ist, waren entscheidend für die Festlegung der Flagge rot über gelb als Symbol für den bewachten Strand, langjährige, großflächige Erfahrungen in anderen Teilen der Welt, vornehmlich in Staaten auf der Südhalbkugel mit großer Wasserrettungstradition. Die Farben Rot und Gelb sind, in den Ländern dort getestet, die einzig deutlich wahrnehmbaren in einer Strandsituation. Diese zweifelsfreie Erkennbarkeit ist insbesondere notwendig, da es sich hierbei auch um Situationen handelt, bei denen Strandnutzer mehrheitlich auf vielleicht ansonsten notwendige Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen, die sie im Alltag sonst verwenden, verzichten. Nicht zuletzt deswegen ist die Bekleidung der Wasserretter im Dienst ebenfalls in diesen Farben gehalten. Der Mensch in Not muss seinen möglichen Retter so gut wie möglich in jeder denkbaren Situation erkennen können. Das geht nicht mit den ansonsten gebräuchlichen Sicherheitsfarben, die hier wie Tarnfarben wirken würden.

Nach ausführlichen Beratungen hat sich das Gremium für diese Lösung entschieden. Gegen eine Einführung anderer Farben, wie etwa weiß oder grün, gab es gewichtige Gründe. So sind diese Farben vor einem hellen Hintergrund wie weißem Sand oder strahlender Sonne sowie grüner Vegetation gar nicht oder nur schwer wahrnehmbar. Letztendlich ausschlaggebend für einen Verzicht waren aber juristische Gründe.

Dass der von Ihnen beschriebene nicht repräsentative Test zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein derartiges Ergebnis hervorbringen kann, darf zunächst nicht verwundern. Wie bei einer grundlegenden Änderung der Systematik üblich, bestehen zunächst Informationsdefizite. Diese werden sich aber zukünftig beheben lassen. Wenn Sie die Umfrage in einem Land, welches seit einiger Zeit damit vertraut ist, (Australien / Neuseeland und eine Vielzahl von ehemaligen Commonwealth Ländern) durchführen würden, werden Sie erkennen können, wie selbstverständlich diese besonderen Sicherheitszeichen am Strand von den Nutzern akzeptiert, verstanden und für die eigene Badesicherheit genutzt werden. Wichtig ist, dass die neuen Wassersicherheitszeichen und Flaggen überall in Deutschland angewendet werden. Lokale oder regionale Sonderlösungen verhindern letztlich diesen Lernprozess.

Ich erinnere bei dieser Gelegenheit noch einmal an das Ziel, die Strände und Badestellen weltweit sicherer zu machen, dem Sie sich sehr engagiert widmen. Die ISO hat mit der Norm 20712 -- 1-3 nun ein Regelwerk geschaffen, das sicherlich in einigen Bereichen Kompromisse erforderte, aber letztlich dazu beiträgt, dass künftig weltweit die Signalgebung standardisiert wird und damit die Menschen im und am Wasser ein Stück sicherer macht.

Ich würde mich freuen, wenn Sie auf ihrer Informationsplattform blausand.de diesen Prozess unterstützen würden.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Janssen
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