Blausand.de-Jahresrückblick 2008
ImageWenn Sie wissen wollen, was von Januar bis Dezember 2008 bei Blausand.de passiert ist, welche Aktionen gegen das Ertrinken gestartet wurden, was sich an Europas Badestränden getan hat und wer die besonders engagierten Blausand.de - Menschen des Jahres 2008 sind, lesen Sie diesen Jahresrückblick 2008.


Januar 2008

Knapp dem Tod entgeht ein dreijähriges Mädchen im Chorweiler Erlebnisbad Aqualand (Köln). Das Mädchen treibt leblos auf der Wasseroberfläche, wird aber, von einem aufmerksamen Bademeister entdeckt, sofort aus dem Becken getragen. Zufällig ist ein Klinikarzt unter den Gästen. Dank sofortiger Herzmassage ist das Mädchen nach wenigen Minuten wieder bei Bewusstsein.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef teilt mit, dass weltweit jeden Tag noch mehr als 26.000 Mädchen und ImageJungen unter fünf Jahren sterben. Die Opfer stammen fast ausschließlich aus Entwicklungsländern. Häufigste Todesursache sind Lungenentzündungen. Die meisten könnten mit einfachen medizinischen Mitteln gerettet werden.

Die Gefahr durch den ansteigenden Meeresspiegel ist nicht nur für ferne Südsee-Staaten eine durchaus reelle. Auch Mittelmeerländer müssen sich bereits mit den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auseinandersetzen. So ist der Meeresspiegel an Spaniens Küsten in den vergangenen 60 Jahren um rund acht Zentimeter angestiegen, berichtet spiegel.de.

2007 testete Blausand.de an einem heissen Junitag die Sicherheit an 11 Bremer Badeseen. Das Ergebnis war erschreckend. Nur zwei Badeseen werden als zufrieden stellend, acht Badeseen als problematisch und ein Badesee sogar als gefährlich eingestuft. Damit genug Zeit für Verbesserungen bis zum Beginn der Bremer Badesaison 2008 bleibt, schreibt Blausand.de im Januar 2008 einen offenen Brief an den zuständigen Bremer Innensenator Willi Lemke.

Im vergangenen Jahr sind in der Schweiz 36 Menschen ertrunken. Das sind neun Ertrunkene weniger als 2006, wie die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) bekannt gibt.

ImageTödliche Unfälle auf zu dünnem Eis: Armin Mayer aus Mitterskirchen und Jürgen Imseder aus Gangkofen werden zunächst vermisst. Nach einer Kneipentour wollen die beiden 25-jährigen zu Fuß vom Eggenfeldener Ortsteil Gern in die Innenstadt gehen, wo Armin wohnt. Die Polizei vermutet, dass die beiden eine Abkürzung über die gefrorene Rott nehmen wollten, dabei im nicht tragfähigen Eis eingebrochen und ertrunken sind. Später bergen Polizeitaucher die Leichen der Vermissten aus dem Fluss. Zwei sechs Jahre alte Jungen sind auf einem vereisten Teich in Mecklenburg-Vorpommern eingebrochen und ertrunken. Die Zwillinge waren auf dem Weg von den Großeltern nach Hause. Als die Brüder nicht ankommen, habe der Vater sie gesucht, selbst das Loch im Eis eines kleinen Tümpels entdeckt und die Retter alarmiert, sagte ein Polizeisprecher. Rettungskräfte von drei Feuerwehren finden kurze Zeit später den ersten Jungen, bald darauf auch den Bruder.


Februar 2008


Das Ostseebad Prerow in Mecklenburg-Vorpommern bekommt eine Auszeichnung für die Sicherheit seiner Strände. Irritiert über die rote Flaggenfarbe mit dem Aufdruck "Lifeguarded Beach" (Bewachter Strand) und über die Bezeichnung "Rote Flagge" (ein Synonym für Badeverbot) erkundigt sich Blausand.de bei der DLRG Imagenach der "Farbenlehre" und erfährt, dass diese Flagge als internationaler Standard festgelegt und Rot eine Signalfarbe sei. Letzteres wollen wir nicht bezweifeln, empfehlen aber, über den Namen und über die Farbe Rot für Sicherheit von Badestellen noch einmal kritisch nachzudenken.

Noch gut drei Monate bis zum Beginn der Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich. Und auch Badesicherheit ist dabei ein Thema. Man befürchtet, die Gäste könnten die Gefahr beim Rheinschwimmen unterschätzen. Während der EM werden sich Zehntausende in der "Fanzone" am Rhein aufhalten, um die Spiele zu verfolgen und sich abzukühlen. Die Gefahren im Rhein könnte von auswärtigen Gästen schnell unterschätzt werden.

Immer wieder berichtet Blausand.de über das Ertrinken und die Tragödie Wachkoma. Denn bei Berichten über Ertrinkungsopfer wird oft vergessen, dass auf einen Todesfall vermutlich noch einmal fünf bis zehn Beinahe-Ertrinkungsfälle kommen. Diesen Menschen, meist sind es Kinder, kann durch intensivmedizinische Maßnahmen immer häufiger das Leben gerettet werden. Im Juni 2005 fällt Elias, gerade mal 1 1/2 Jahre alt, in ein nur 15 Zentimeter tiefes Regenwasserbecken. Nach 10 bis 15 Minuten zieht man ihn raus. Die Diagnose: Apallisches Syndrom, Wachkoma. Im WDR-Fernsehen wird das Schicksal von Elias und seinen Eltern Caroline und Jörg Windolf v. Meding, Mitglieder im Blausand.de-Team, in der Lifesendung Dellings Woche thematisiert.

Im Hallenbad "Finto" in Finnentrop (Olpe, am Biggesee, Nordrhein-Westfalen) wären fast zwei Brüder ertrunken. Ein Badegast sieht gegen 18.15 Uhr die beiden Brüder leblos am Beckenboden im Schwimmerbereich des Hauptbeckens. Die Schwimmmeisterin und der Badegast holten die beiden Kinder sofort aus dem Becken. Beide Kinder werden von den Ersthelfern reanimiert und in Kliniken eingeliefert.

Die Diskussion um die Befreiung muslimischer Mädchen vom Schwimmunterricht eskaliert. In Remscheid (Nordrhein-Westfalen) lehnt eine Realschule erstmals den Antrag der Eltern auf Befreiung ab. Der zuständige Schuldezernent Christian Henkelmann spricht angesichts der vermehrten Anträge von einer "schleichenden Islamisierung in der Gesellschaft" und wird mit dem Satz zitiert: "Wer anatolische Verhältnisse wünscht, soll seine Koffer packen." Über diese Formulierung sind die Vertreter der türkischen Union der Vereine empört und erwarten eine Entschuldigung.

ImageDas Kölner Freizeitbad Aqualand wird erneut Schauplatz eines Unfalls, bereits der vierte in den letzten Monaten, einer davon tödlich. Der leblose Körper des 15-Jährigen treibt auf der Wasseroberfläche. Sein Vater und andere Badegäste ziehen den Schüler aus dem Wasser. Ein Besucher: "Von einem Bademeister war zunächst nichts zu sehen. Der kam erst Minuten danach hinzu." Zufällig ist unter den Gästen auch eine Gruppe von Sanitätern, die sofort mit einer professionellen Reanimation beginnen und vermutlich dadurch dem Kind das Leben retten.

In Deutschland ertrinken vier von fünf Menschen in Badeseen und Flüssen. Anstatt nun deutsche Badeseen mit besseren finanziellen Mitteln für bessere Bewachung auszustatten, stehen die Wasserretter in Niedersachsen stattdessen vor einem finanziellen Desaster. "Krankenkassen", so steht auf der Webseite der DLRG Niedersachsen, "graben der DLRG das Wasser ab." Sie sollen - sogar rückwirkend für 2007 - mit 40 Prozent weniger Geld auskommen - etwa am Steinhuder oder am Zwischenahner Meer.

Eine erfolgreiche Aktion für mehr Badesicherheit läuft in der Schweiz, in der im letzten Jahr 45 Menschen ertrunken sind. Eine Unterschriftenaktion der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG für eine Petition, in den Schulen obligatorischen Schwimmunterricht anzubieten, soll dieser wichtigen präventiven Maßnahme für Badesicherheit den nötigen Nachdruck verleihen. Prisca Wolfensberger, Mediensprecherin der SLRG, gegenüber Blausand.de: "Die Petition läuft gut. Wir haben bis jetzt nahezu 40.000 Unterschriften erhalten. Die Leute unterschreiben gerne und sehr überzeugt."

In Wilhelmshaven (Niedersachsen) ereignet sich ein Ertrinkungsunfall, der die Verletzung von Aufsichtspflichten auf besonders entsetzliche Weise beleuchtet. Eine 43-jährige Frau passt an diesem Abend auf ihre 3-jährige Enkelin auf, als ein Gasableser an der Haustür klingelt. Während die Frau mit dem Mann zur Gasuhr geht, nutzt das Mädchen diesen Augenblick, läuft aus dem Haus und dann 200 Meter weiter auf ein umzäuntes Grundstück, dessen Pforte nicht verschlossen ist. Auf diesem Grundstück befindet sich ein ca. 3 mal 7 Meter großer in die Erde eingelassener Swimmingpool, der mit einer 60 Zentimeter hohen Kante umgeben ist. Der Pool ist mit Wasser (ca. 1 Meter tief) gefüllt. In diesen Pool stürzt das kleine Mädchen. Unterdessen hat die 43-jährige Frau alle Nachbarn zur Suche alarmiert. Einer dieser Nachbarn, von Beruf Rettungssanitäter, findet das Mädchen im Pool und beginnt sofort mit der Reanimation. Parallel werden Rettungswagen und Notarzt informiert, die das Mädchen in ein Wilhelmshavener Krankenhaus bringen. Es wird am Abend in eine Spezialklinik nach Oldenburg verlegt, wo es später verstirbt. Die 43-Jährige sowie die Mutter des Kindes werden mit einem schweren Schock in ein Krankenhaus eingeliefert.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit ihrer Zentrale an der Bremer Weser hat ein gutes Händchen für Sympathieträger, die sich für die Seenotretter auf hoher See einsetzen. Nach Jan Fedder ("Großstadtrevier") ist Thomas Schaaf, Trainer von Werder Bremen, neuer "Bootschafter" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).


März 2008


Bei einem Badeunfall im Unterrather Hallenbad (Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen) sind eine 43-Jährige Mutter und ihre sieben Jahre alte Tochter beinahe ertrunken. Obwohl Mutter und Tochter beide nicht schwimmen können, geraten sie in den tiefen Bereich des 25 mal 12 Meter großen Beckens. Die Mutter geht nach Angaben der Bädergesellschaft unter. Das Kind rudert an der Wasseroberfläche panisch mit den Armen. Ein 16-jähriges Mädchen bemerkt die Siebenjährige und kann sie an den Beckenrand ziehen. Ein Bademeister rettete die bewusstlose Mutter vom Beckengrund und reanimiert sie. Wenig später sind auch drei Notärzte zur Stelle.

Manche Freizeitkapitäne sterben, weil sie beim Pinkeln über Bord fallen. Vor allem bei Dunkelheit ist die Ertrinkungsgefahr riesig. "Es kommt immer wieder vor, dass männliche Leichen mit heruntergelassener Hose oder offenem Schlitz an den Küsten gefunden werden", sagt Ingo Ohrt von der Wasserschutzpolizei in Kiel. Zusammen mit den Zeugenaussagen der Kollegen an Bord, die ihren Kameraden als vermisst gemeldet haben, vervollständigt sich dann schnell das Bild. Ohrt hat bisher drei solcher Fälle erlebt, die Dunkelziffer ist unbekannt. "Nicht jeder beim Pinkeln gestorbene Segler wird aufgefunden."

Ein Trend sorgt in den letzten Jahren für Irritationen. In einigen Ländern Europas, etwa in Spanien, schließen die Kommunen aus Kostengründen direkte Verträge mit dem Rettungspersonal. Die Rettungsorganisationen gehen leer aus. Mit demselben Resultat gründen Betreiber von Restaurants und anderen Dienstleistungen an Strandabschnitten zunehmend eigene Organisationen für Badesicherheit und Strandbewachung. Offensiv geht de englische Royal Life Saving Society U.K. mit der kritischen Entwicklung um und macht die Situation auf der Webseite zum wichtigen Thema: "Here are many ways you can become involved as a lifesaver".

ImageBeim Festakt im Berliner Haus der Kulturen der Welt ("Schwangere Auster") würdigt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vor fast 1000 Gästen die Arbeit der 130.000 ehrenamtlichen Wasserretter im Deutschen Roten Kreuz (DRK) zum 125-jährigen Bestehen der Wasserwacht, nach der DLRG zweitgrößte Wasserrettungsorganisation in Deutschland.

Berlin ist die Hauptstadt der Nichtschwimmer, berichtet der Berliner Tagesspiegel. 26 Prozent der Berliner können nach eigener Einschätzung nicht schwimmen. Bundesweit liegt die Zahl der bekennenden Nichtschwimmer im Schnitt bei zehn Prozent. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes

Was ist in deutschen Schwimmbädern los, in denen es trotz gesetzlich vorgeschriebener Bewachung seit Monaten eine signifikante Unfallhäufigeit gibt? Im Eugen - Keidel - Bad von Freiburg spielt ein 4-jähriger Junge zusammen mit seinem 8-jährigen Cousin am Außenbecken, während seine Eltern in der Sauna sind. Ein Badegast findet das Kind später auf dem Grund des Beckens und alarmiert den Notarzt. Der Junge muss schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden und überlebt. Wenige Tage vorher wird ein 14 Jahre alter Junge leblos aus dem Schwimmbecken eines Freizeitbads in Goch (Nordrhein-Westfalen) geborgen. Er war im Wasser liegend entdeckt worden und stirbt wenig später im Krankenhaus. Ein achtjähriger Junge war im Februar im Hallenbad "Aquarella" in Buxtehude (Niedersachsen) ertrunken. Ein Badegast hatte den leblosen Achtjährigen am Grund des Beckens entdeckt.

Stundenlang sucht ein Großaufgebot an Rettungskräften im vier Grad kalten Wasser des Krakower See (Mecklenburg-Vorpommern) nach Denny S. Doch für den 28-Jährigen kommt jede Hilfe zu spät. Beim Versuch, sein gekentertes Modellboot zu retten, war er in den eiskalten See gesprungen und offenbar ertrunken. Taucher der Schweriner Bereitschaftspolizei finden ihn etwa 40 Meter vom Ufer entfernt in sechs Meter Tiefe.


April 2008


Ein 24-Jähriger aus der Samtgemeinde Meinerser (Niedersachsen) ertrinkt im Urlaub in der Türkei. Der Meinerser, der in Hamburg studierte, war zusammen mit seinem Bruder und zwei Freunden zum Urlaub in den türkischen Badeort Alanya gereist. Alle gingen gemeinsam in einer Bucht schwimmen. Dabei wurde der 24-Jährige durch starke Strömung und Wellengang entkräftet und erreichte nicht mehr das Ufer.

Ein neunjähriger Junge ertrinkt im Freizeitwellenbad Aquana im nordrhein-westfälischen Würselen (bei Aachen). Kurz vor 16 Uhr hatte ein Bademeister den leblosen Körper des Jungen auf dem Boden des Wellenbeckens treibend gesehen. Er birgt den Jungen und versuchte gemeinsam mit einer Kollegin, das Kind wiederzubeleben. Auch die eintreffenden Notärzte versuchten erfolglos, den Jungen wieder ins Leben zurückzuholen. Ohne Erfolg. Das Unglück im Aquana ist hier bereits der zweite tödliche Badeunfall. Können Eltern ihre Aufsichtspflicht im Wellenbad bei Schwimmreifen im unübersichtlichen Becken überhaupt wahrnehmen? Ist das Aufsichtspersonal in Erlebnisbädern ohne technische Hilfsmittel (Beobachtung durch Unterwasserkameras und Alarmsysteme) überfordert? Gibt es durch Sparzwänge in den Einrichtungen Interessenkonflikte zu Lasten der Sicherheit? Werden die Betreiber bei unübersichtlichen Badelandschaften mit dröhnenden Wasserrutschen und Wellenbewegungen ihrer Verkehrssicherungspflicht überhaupt gerecht? Dass das Thema öffentlich diskutiert wird, ist ein kleiner wichtiger Schritt auf dem beschwerlichen Weg zu mehr Gefahren- und Verantwortungsbewusstsein.

Durchaus erfreulich ist, dass "Erste Hilfe" in den Medien zum Thema gemacht wird. Erst stellte der Spiegel einige lebenswichtige Irrtümer und Empfehlungen ins Heft (Ersthelfer sollten Rettungskette nicht verzögern, bei Motorradfahrern Helm vorsichtig abnehmen, Herzmassage wichtiger als Mund-zu-Mund-Beatmung, bei Herzmassage abwechseln), dann folgte stern.de mit neuesten Erkenntnissen, die Leben retten sollen. Der Imagekritischste Punkt ist wohl, dass sich die meisten Menschen Hilfe in den entscheidenden ersten Minuten nicht zutrauen und die angebotenen Kurse häufig zu theoretisch und nicht immer auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse sind. Besser angenommen würden auch Kurzzeitkurse mit einfachen und merkfähigen Empfehlungen, die etwa das Deutsche Rote Kreuz zukünftig verstärkt anbieten will. Darüber hinaus bieten die in der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe vertretenen Hilfsorganisationen (ASB, DLRG, DRK, JUH und MHD) in Kooperation mit dem ADAC ein spezielles Kursangebot "Fit in Erster Hilfe" an. Die Aktion beginnt im Mai, das Angebot besteht aus zwei Kurzzeitlehrgängen von je 90 Minuten: "Fit in Erster Hilfe - Verkehrsunfall" und "Fit in Erster Hilfe - Wiederbelebung". Zu zahlen ist eine moderate Teilnahmegebühr von 12 Euro je Lehrgang und Person, für ADAC- Mitglieder 10 Euro.

Die Wasserwacht im Bayerischen Roten Kreuz versucht, Bürger, Eltern und Pädagogen, die mit Kindern arbeiten, auf die Aktion "Sicheres Baden - schützt unsere Kinder vor dem Ertrinken" aufmerksam zu machen. Plakate wurden über die Mitgliederzeitschrift flächendeckend an alle Ortsgruppen der Wasserwacht in Bayern verteilt. Im zweiten Schritt sollen die Plakate in Kindergärten des Bayerischen Roten Kreuz platziert und versucht werden, die heimische Presse für die Aktion zu gewinnen.


Mai 2008


Pfingsten 2008: Am ersten sommerlichen Badewochenende des Jahres passierten leider die befürchteten tödlichen Badeunfälle.

ImageDie "Sonne für Beate"; vom verstorbenen Inselkünstler Schoppi am Strand von Es Arenals geschaffenes Objekt zum Gedenken an Beate Bernhardt und die vielen auf Formentera ertrunkenen Menschen, wird im Mai restauriert.

Max Bernhardt aus Hamburg, dessen Mutter 1999 an diesem Strand ums Leben kam, baut das neue Objekt. Jan, der die Galerie von Schoppi nach dessen Tod übernommen hat, sorgt für den Farbanstrich der neuen Sonne, die das im Laufe von acht Jahren (2000 bis 2008) durch Wind und Wetter angegriffene Mahnmal ersetzt hatte.

22. Mai 2008, Formentera, Platja Mitjorn, Kilometer 11, Strandbar Piratabus: 100 Menschen aus mehreren ImageNationen Europas von 4 bis 70 Jahren färben sich gegenseitig ein, um für mehr Badesicherheit und gegen das Ertrinken in Europa zu demonstrieren. Die Aktion eine eindrucksvolle Aktion gegen die Ertrinkungszahlen von durchschnittlich 100 Menschen pro Tag in Europa. Viele TV-Sender, Rundfunkstationen, Webportale und Tageszeitungen von Spanien bis Finnland zeigen das Bild und berichteten über die spektakuläre Aktion. Ein ausführliches "Making of 100 EACH DAY" gibt es hier.

Bootstragödien in Norwegen und Ostfriesland: Bei einem Bootsunfall vor Norwegen ertrinken vier deutsche Touristen aus Zeitz (Sachsen-Anhalt). Ihr gemietetes Boot kentert vor der Westküste nördlich der Stadt Trondheim. Die Polizei in Weißenfels teilt mit, dass es sich bei den Opfern um vier Männer aus Zeitz handele. Das habe die deutsche Botschaft in Oslo bestätigt. Die Männer im Alter von 51, 52, 69 und 70 Jahren hatten nach Angaben der norwegischen Polizei in dem sieben Grad kalten Wasser keine Überlebenschance. Das Fischerboot aus Aluminium sei in stürmischer See gekentert. Bei einem Bootsausflug in Ostfriesland ertrinken drei Menschen. Vermutete Unfallgründe: ein überladenes Boot und Alkohol.


Juni 2008


Der ARD-Ratgeber Auto + Verkehr zeigt einen interessanten Beitrag. Bei einer gestellten Unfallszene mit einer schwer verletzten Person halten nur wenige Autofahrer an, um zu helfen. Durchschnittlich sieben Fahrzeuge fahren an der vermeintlich Bewusstlosen vorbei, bis der erste Wagen hält. Dabei hätte ein einfache Handgriff das Leben der Betroffenen retten können.

Nach Pressemeldungen der Balearenregierung werden elf neue Notfallstationen und 22 neue Kontrollhochsitze an den Stränden der balearischen Inseln installiert. Insgesamt zählen die Strände der Inseln damit nach diesen Informationen mehr als 90 Kontrollhochsitze und knapp 30 Notfallstationen. Außerdem stehen 20 Rettungsboote zur Verfügung. Für die Sicherheit der Strände werden in diesem Jahr nach diesen Angaben knapp 600.000 Euro ausgegeben.

Französische Medien berichten, dass sich der französische Staat aus der Wasserrettung am atlantischen Ozean zurückzieht. Anstatt seine als Wasserretter ausgebildeten Bereitschaftspolizisten (CRS) wie in den letzten Jahren von Mitte Juni bis Mitte September an den Stränden einzusetzen, erfolgt dies in diesem Sommer nur in den Monaten Juli und August. Die Kommunen sind nun gezwungen, zusätzliches ziviles Personal für die Strandbewachung in den Monaten Juni und September zu finden, was in der Presse als Verlust an Sicherheit dargestellt wird.

Allein in Bayern ertrinken an nur einem Sonntag drei Menschen. Mindestens ein tödlicher Unfall passiert unter Alkoholeinfluss. Ein 47-Jähriger ertrinkt im Karlsfelder See. Laut Polizei hatte der Mann mit Arbeitskollegen einige Flaschen Bier getrunken und war anschließend schwimmen gegangen. Wenig später finden ihn Badegästen leblos im Wasser treibend. Im Schliersee (Landkreis Miesbach) ertrinkt ein Tourist, kurz nachdem er von einem Steg ins Wasser springt. Seine Begleiter können ihn zwar aus dem Wasser ziehen. Der Mann sei aber nicht wieder zu Bewusstsein gekommen, teilt die Polizei mit. Ein dritter Mann kommt in einem Baggersee in Friedberg (Landkreis Aichach-Friedberg) ums Leben. Der 41-Jährige war mit Freunden zum Grillen an den See gefahren und wollte dann zum gegenüberliegenden Seeufer schwimmen. Auf halber Strecke sei er plötzlich untergegangen, teilt die Polizei mit. Taucher können ihn nach einer halben Stunde aus knapp fünf Metern Tiefe retten und wiederbeleben. Wenig später stirbt der 41-Jährige im Krankenhaus.

ImageFlorida hat den schönsten Strand der USA. Der als Dr. Beach bekannte Stephen P. Leatherman vom Institut für Küstenforschung an der Uni Miami gibt dem Strand Caladesi Island State Park in St. Petersburg/Clearwater die beste Bewertung. Schon 2005 hatte St. Petersburg/Clearwater - allerdings mit einem anderen Strand - den ersten Platz in der "Dr. Beach"-Rangliste belegt. Die Region ist nun die einzige in Florida, die es zweimal ganz nach vorne geschafft hat. Im Jahr 2007 war der "Titel" erstmals überhaupt nach North Carolina gegangen - üblicherweise wechseln sich Florida und Hawaii dabei ab. Der Vorjahressieger "Ocracoke Island" (übrigens ein Strand mit intensiven gefährlichen Strömungen) wurde diesmal nicht mitbewertet. Die neue Nummer eins lag bereits zweimal auf Platz zwei.

Dass Badeordnungen unsinnige Texte enthalten, ist keine neue Erkenntnis. Die Informationen sind häufig nicht sachgerecht, schwer verständlich, orientieren sich nicht an den Anforderungen der jeweiligen Badestelle und dienen allzu oft primär dazu, den Kommunen die Möglichkeit von Sanktionen zu eröffnen und sie juristisch abzusichern. Die Badeordnung eines Strandbades in Greifswald-Eldena (Mecklenburg-Vorpommern) löst wegen umstrittener Besucherregelungen heftige Kritik aus. Wie die Ostseezeitung berichtet, steht auf einer Tafel am Eingang, dass neben Betrunkenen auch "Verwahrloste, Epileptiker, Geisteskranke und Personen mit Anstoß erregenden Krankheiten" keinen Zutritt hätten.

Oftmals ertrinken Kinder, weil sie nach einem Sturz ins Wasser nicht richtig reagieren. Mit Tests sollen sie nun auf den Notfall vorbereitet werden. Künftig sollen Kinder mit dem so genannten "Wasser-Sicherheits-Check" (WSC) dafür ausgebildet werden, sich selbst aus einer Notlage im Wasser zu retten, teilt die Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) mit. Das Ziel: Sie sollen sich bei einem Sturz ins Wasser selbst ans Ufer oder an den Beckenrand retten können.

Das populäre TV-Wissensmagazin Planetopia greift pünktlich zu Beginn der Schulferien das Thema "Tückische Meeresströmungen - Risiko Badeurlaub" auf. Inhalt ist ein Interview mit Rolf Lüke, Blausand.de und mit der Familie Flanagan. Vater und Ehemann Liam Flanagan ertrank vor einem Jahr in Alanya (Türkei).


Juli 2008


Drei deutsche Urlauber ertrinken beim Paddeln in einem Seitenarm des Flusses Verdon im Südosten Frankreichs. Die beiden jungen Frauen und ihr Führer waren beim sogenannten Canyoning von starken Strömungen erfasst und unter Wasser gedrückt worden, berichteten französische Medien unter Berufung auf die Rettungskräfte in Castellane.

Eine 49-jährige Frau rettet ein zwölfjähriges Mädchen aus einem Baggersee in Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh, Nordrhein-Westfalen) vor dem Ertrinken und bezahlt dafür mit dem Leben. Das Mädchen drohte, in der Sandgrube zu ertrinken, berichtete die Polizei mit dem Mädchen sowie zwei Jungen (13 und 14) aufgesucht, obwohl laut Polizei große Schilder das Betreten des Geländes untersagten. Beim Retten des Mädchens sei die Frau unter Wasser geraten. Von den Kindern alarmierte Rettungskräfte bargen sie erst nach 35 Minuten aus dem Wasser.

Bei Mühlheim (Offenbach, Hessen) ertrinkt ein 15-jähriger im Main. Wie die Polizei mitteilt, hatte der Junge versucht, seinen Fußball, der in den Fluss geriet, rauszuholen. Dabei war er in die Strömung eines Wehrs geraten und abgetrieben.

Zwei Menschen ertrinken in Berliner Badeseen. Ein 23 Jahre alter Pole wurde etwa 150 Meter vor dem Strandbad Müggelsee tot geborgen, teilt die Polizei mit. Taucher entdecken die Leiche einer 68 Jahre alten Frau vor dem Strandbad im Weißen See.

Die Webseite des Theologieprofessors Hans Mendl enthält Helden des Alltags. Es geht um Menschen wie den Neunjährigen, der ein anderes Kind vor dem Ertrinken rettete. Oder die Schülerin, die leukämiekranken Kindern hilft. Oder auch der Fußballer, der absichtlich ein Eigentor schoss, um das unfaire Tor der eigenen Mannschaft auszugleichen. Mendl hat vor acht Jahren angefangen, eine Datenbank mit Helden quasi aus der Nachbarschaft aufzubauen -"Local Heroes" genannt. "Große Heilige sind heutzutage uncool und wirken oft so unnahbar wie die Rolling Stones", meint Mendl. Ihm geht es deshalb um Männer, Frauen, Kinder, die in ganz alltäglichen Lebenssituationen etwas Besonderes geleistet haben.

Wieder wird die Liste der begehrten "Blauen Flaggen" für Strände, Sportboothäfen und Badestellen an Binnenseen veröffentlicht. Weltweit wehen nunmehr weit über 3000 Blaue Flaggen, besonders viele in ImageSpanien, Griechenland und in der Türkei. "Die Blaue Flagge gibt den Gästen die Sicherheit, ihren Urlaub an einer sauberen, sicheren und attraktiven Badestelle zu verbringen" so die werbewirksame Botschaft an den ausgezeichneten Stränden Abgesehen davon, dass es keine sicheren Strände geben kann, ist in den Verleihungskriterien eine Strandbewachung auch für das Jahr 2008 nicht notwendig: "An adequate number of lifeguards and / or lifesaving equipment must be available at the beach". Rettungsmittel reichen also nach wie vor für die werbewirksame Flaggenverleihung aus, selbst dann, wenn keine Aufsicht vorhanden ist. Die "Blaue Flagge" mag für umweltgerechtes Verhalten stehen. Strandsicherheitstechnisch ist die Auszeichnung - zumindest außerhalb unserer Landesgrenzen - eine reine Farce.

"Ungetrübter Badespass an deutschen Stränden und Seen" heißt es in den Pressemeldungen. Gemeint ist aber nicht etwa ein hoher Sicherheitsstandard an deutschen Gewässern, sondern die Wasserqualität, die die EU-Kommission mit dem jährlichen Badewasserbericht veröffentlicht. Die Note "sehr gut" erhielten aufgrund der Untersuchungen von 2007 die meisten Badestellen an der deutschen Nordseeküste und am Mittelmeer. Die saubersten Badeseen gibt es demnach in Österreich. Schlechtere Noten erhielt die polnische Ostseeküste.

Die größte Gefahr an Europas Badestränden sind Rip-Strömungen, unsichtbare Killer im Meer, die der Hauptgrund für Rettungseinsätze und die häufigste Ursache für tödliche Badeunfälle sind. Blausand.de beteiligt sich an der Woche der Rip-Strömungen ("Rip Current Awareness Week") und informiert in einem Blausand.de-Special über alles Wissenswerte zur Entstehung und Wirkungsweise dieser Gefahr.

Ende Juli ist Rolf Lüke, Gründer von Blausand.de, Gast in der NDR-Lifesendung Menschen und Schlagzeilen. Gesprächsthemen mit der Moderatorin Susanne Stichler: Badesicherheit, aktuelle Badeunfälle und Strömungsgefahren.

Besonders freuen wir uns auch über einen Beitrag in der taz - die tageszeitung, den Sie auch hier im Internet nachlesen können.


August 2008


An den Stränden von New York gibt  es am letzten Juliwochenende eine Häufung von Badeunfällen. Seit dem vergangenen Freitag ertranken vier Menschen in den Gewässern vor der US-Metropole, wie Polizei und Küstenwache mitteilten. An einem Wochenende werden allein am Strand von Long Beach auf Long Island insgesamt drei Schwimmer tot aus dem Meer geborgen.

In Bremen gibt es zwei außergewöhnliche maritime Veranstaltungen. Zum neunten Mal paddeln auf der Weser einhundert Teams à 2 Personen bei der Bremer Badeinselregatta. Eine passende Veranstaltung gegen das Ertrinken gibt es dann später: Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger DGzRS lädt erstmalig zum "Tag der Seenotretter" in die Bremer Zentrale ein.

ImageEine schier unfassbare Geschichte über Gleichgültigkeit erreicht uns aus Italien. Die beiden Cousinen Violetta (12) und Cristina (13) hatten am Strand von Torregaveta westlich von Neapel ihre Waren verkauft, waren zusammen mit zwei anderen Mädchen schwimmen gegangen und in den Wellen ertrunken. Nur mit Handtüchern bedeckt liegen die Kinderleichen lange Zeit inmitten von Badeurlaubern. Die seien völlig gleichgültig gewesen, erzählt ein Fotograf dem Fernsehsender CNN.

Die Tochter des Fleetwood Mac-Schlagzeugers Mick Fleetwood wird bei einem Badeunfall schwer verletzt. Die Ärzte sind jedoch zuversichtlich, dass das Kind wieder ganz gesund werde. Ruby habe einen Unfall gehabt, "der potenziell extrem ernst" sei. Wenige Tage später geht es der Sechsjährigen wieder besser.

Zwei tödliche Ertrinkungsunfälle gibt es am Strand Las Canteras, dem "Hausstrand" von Las Palmas auf Gran Canaria. Mitte Juli war in der Las Canteras Bucht bereits ein 60 Jahre alter Mann ertrunken. Der leblose Körper des Mannes wurde bei La Puntilla aus dem Wasser geborgen. Die Wiederbelebungsversuche der Ersthelfer blieben ohne Erfolg.

Im Juli findet in Berlin und Warnemünde die Rescue 2008 statt. Vom 20. Juli bis 2. August werden 4000 Teilnehmer zu den Wettkämpfen erwartet. Die internationale Veranstaltung könnte eine Gelegenheit sein, nicht nur die Fähigkeiten der Rettungsschwimmer unter Beweis zu stellen, sondern auch Kommunen zu motivieren, diese an ihren Badestellen einzusetzen.

Im Juli überprüft Blausand.de den Strandabschnitt Platja de Muro an der Nordostküste von Mallorca, der für tückische Unterströmungen bekannt ist und an dem jedes Jahr immer wieder tödliche Badeunfälle passieren. Erfreulich ist, dass es hier inzwischen mehrsprachige Warnschilder gibt, die vor Strömungen warnen. Irritierend ist, dass es diese wichtigen Hinweise auf den anderen Baleareninseln Ibiza, Formentera und Menorca bisher nicht gibt.

An fast allen Binnenseen in Mecklenburg-Vorpommern fehlen Rettungsschwimmer. Gerade mal 62 von über 2000 Binnenseen, das sind gerade mal 3 Prozent, sind nach einem Zeitungsbericht überhaupt bewacht. In diesen fast immer unbewachten Badeseen und in Flüssen kommen vier von fünf Opfern ums Leben. Für die anderen Bundesländer sieht das nicht viel anders aus. Die Bewachung eines Badestrandes - inklusive Technik - würde mindestens 70 000 Euro pro Jahr kosten, sagt ein Vertreter der DLRG.

Ein zweijähriges Mädchen aus Nordrhein-Westfalen wird im Ostseebad Zingst durch das beherzte Eingreifen eines Urlaubers vor dem Ertrinken gerettet. Das Kind war offenbar in einem unbeaufsichtigten Moment ins Wasser gelaufen, als die Eltern am Strand einen Windschutz aufbauen wollten.

Nicht lamentieren, sondern agieren: Das hat sich die Stadt Köln mit dem Projekt "Sicher schwimmen" auf die Fahnen geschrieben und stellt 1,5 Millionen Euro für eine viel versprechende Maßnahme zur Verfügung. ImageDie Kölner scheinen den "Schwimmalarm" richtig verstanden zu haben. Fast jedes zweite Kind zwischen 8 und 10 Jahren kann in Deutschland nicht richtig schwimmen.

In der "Apotheken Umschau". Ausgabe Juli 2008, propagiert der Autor, dass sich die Anschaffung eines Defibrillators selbst für Herzpatienten nicht lohne. Er beruft sich auf eine US-Studie, nach der bisher nur eine geringe Anzahl von Menschen durch den Defi gerettet werden konnten.

Im August wird Rolf Lüke, Gründer von Blausand.de, in die ZDF-Talkshow "Markus Lanz" eingeladen.


September 2008

Wieder einmal wurden im unfallträchtigen Sommer 2008 Badeunfälle und Ertrinkungsgefahren zum Thema im Fernsehen gemacht. Der Gründer von Blausand.de, Rolf Lüke, berät das ZDF auf der Ferieninsel Mallorca zum Thema. Im September berichtet das ZDF Boulevardmagazin "Hallo Deutschland" über das Thema.

Der reichlich bebilderte Artikel in der Bremer Tageszeitung Weser Kurier über die Bremer Badestelle Fischtreppe Wehrstraße liest sich gut. Die Badestelle hat starke Strömungen, die durch die Steine noch verstärkt werden. "Das ist einfach die ideale Stelle hier" zitiert die Zeitung eine Schwimmerin, und "außerdem ist es da (gemeint ist der bewachte Werdersee) total langweilig, weil das Wasser sich gar nicht bewegt. Da macht das Baden hier in der Strömung viel mehr Spaß." Kein Wort zu Badegefahren in Strömungen, besonders für Kinder, besonders an unbewachten Badestellen, besonders bei steinigem Untergrund.

Bei Badeunfällen an Dänemarks Nordseeküste sind in diesem Sommer übermäßig viele deutsche Touristen ums Leben gekommen. Jetzt soll die Aufklärungsarbeit verstärkt werden. Der Tod von fünf deutschen Bade-Urlaubern in der dänischen Nordsee hat die Behörden in Kopenhagen alarmiert. "Die Deutschen sind unverhältnismäßig stark bei solchen Unfällen betroffen, weil sie die Gefahren der Nordsee unterschätzen", sagte der Chef des staatlichen Rates für Badesicherheit.

Viele Urlauber, so ermittelt die Gesellschaft für Konsumforschung GfK, fürchten sich vor Reisekrankheiten. 45 Prozent haben Angst, sich eine Malaria oder Hepatitis einzufangen, und 14 Prozent beunruhigt die Aussicht auf eine Magen-Darm-Infektion.

Sauberes und warmes Wasser bietet derzeit an deutschen Meeresküsten und Seen optimale Bedingungen für Badegäste. Der große Andrang habe aber vor allem an Seen zu ungewöhnlich vielen Badeunfällen geführt, teilt der ADAC in München mit.

ImageIn diesem Jahr sind im Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern 14 Menschen ums Leben gekommen, mehrere Urlauber wurden vermisst. Die Wasserwacht (DRK) fordert mehr von Rettungsschwimmern bewachte Badestrände an den Binnenseen Mecklenburg-Vorpommerns. Das Land müsse sich fragen lassen, ob es wirklich alles für das Ziel "Gesundheitsland Mecklenburg- Vorpommern" tut, sagte der Landesreferent der DRK-Wasserwacht.

Am 10. August 2008 thematisiert das populäre TV-Wissensmagazin "Planetopia" ein weiteres Mal das Thema Meeresströmungen. Inhalt ist neben einer sehenswerten Erklärung der Wirkungsweise von Rip-Strömungen ein Interview mit dem Blausand.de-Gründer Rolf Lüke.

Wieder ist ein Ersthelfer ums Leben gekommen, während ein Freund dessen Kinder retten kann. Ein 47 Jahre alter Mann aus Mecklenburg-Vorpommern ertrinkt Anfang August in der dänischen Nordsee, als er seine ins offene Meer treibenden Kinder retten will. Beide Kinder werden von einem Freund des Vaters sicher an Land gebracht.

Bei Temperaturen oberhalb der 30-Grad-Grenze stürzen sich Erwachsene und Kinder gleichermaßen gern in die erfrischenden Fluten von Pool, See oder Meer. Damit der Traum vom Sommer nicht in einem solchen Albtraum endet, gibt das Arbeitsschutzdezernat des Gießener Regierungspräsidiums Tipps zum Kauf und Umgang mit Schwimmhilfen und aufblasbaren Wasserspielzeugen.


Oktober 2008


ImageDie Anfang September von Bord des Segelschulschiffes "Gorch Fock" bei Norderney in die See gestürzte 18-jährige Jenny ist ertrunken und wird zwei Wochen später nordwestlich von Helgoland geborgen. Danach gibt es Diskussionen um die Ursache, vorhandene oder nicht existente Suchscheinwerfer, Schwimmwesten, Verantwortlichkeiten und Schuld am Unfall.

Anlässlich des Welttages der Ersten Hilfe weist das Deutsche Rote Kreuz darauf hin, dass die lebensrettenden Handgriffe längst zum Exportschlager geworden sind. Auch in vielen Projekten der Hilfsorganisation im Ausland spielt Erste Hilfe eine wichtige Rolle. Menschen, die wissen, wie man Bewusstlose lagert oder gebrochene Knochen fixiert, sind gerade in ärmeren Regionen eine Stütze des Gesundheitssystems.

ImageIm Zuge eines so genannten "No Borders Camps", einer antirassistischen Aktion, kommt es Anfang September am Badestrand in Dikili (Izmir, Türkei) zu einer Demonstration gegen das Ertrinken der Flüchtlinge. Es werden die Zahlen ertrunkener und vermisster Menschen beim Überqueren der Meeresgrenze in blutroter Farbe auf den Strand geschrieben und Flyer zur Situation verteilt.

Wasserretter der Hamburger DLRG engagieren sich unter nicht mehr zumutbaren Bedingungen für Badesicherheit. Für ihre 48-Stunden-Schichten zur Überwachung des Elbstrandes hausen sie in heruntergekommenen Bruchbuden. In den kleinen Hütten am Falkensteiner Ufer und in Wittenberge sind nicht mal Toiletten oder Duschen. Auf der Station gibt es kein fließendes Wasser. "Der Zustand ist nicht mehr haltbar", klagt ein DLRGler. "Wir arbeiten rein ehrenamtlich, aber unter diesen Bedingungen bekomme ich kaum noch Leute, die sich das antun."

Anfang September ertrinken gleich zwei Menschen in Orihuela Costa und Torrevieja an der spanischen Costa Blanca an einem Tag. Am Strand von Punta Prima in Orihuela Costa ereignete sich das erste Unglück. Gegen 9.45 Uhr (tragischerweise 15 Minuten vor Beginn der Bewachungszeit) badet ein 68-jähriger Mann bei grüner Fahne, als er das Bewusstsein verliert. Andere Badegäste ziehen den Mann aus dem Wasser. Die Wiederbelebung der Rotkreuz-Helfer bleibt erfolglos. Möglicherweise wähnte sich das Opfer wegen der grünen Flagge, die ohne Bewachung gehisst war und deren Abschaffung Blausand.de seit Jahren fordert, in trügerischer Sicherheit.

Beschreibt ein Reiseveranstalter in seinem Katalog den Strand eines Ferienhotels nicht näher, liegt auch kein Qualitätsversprechen vor. Damit ist das Unternehmen auch fein heraus, kommt es zu Beschwerden über die unzureichende Güte des Badereviers. Das Landgericht Frankfurt am Main verwirft die Klage einer Familie, die in dem öffentlich zugänglichen Strand einen Reisemangel sieht.

Im wasserreichen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern wird die Lage an unbewachten Badestellen immer bedenklicher, weil allenfalls 3 bis 4 Prozent der Binnenseen bewacht sind und die Verantwortlichen inzwischen befürchten, dass Touristen wegen der unsicheren Badeseen ausbleiben. Zu Recht! Urlauber haben im Jahr 2008 ein spürbar gewachsenes Bewusstsein für Wassersicherheit und erwarten für Ihre Urlaubseuros nicht nur im nordöstlichen Bundesland mehr Sicherheit im Wasser. Das sollten sich die allzu oft ignoranten Kommunen endlich auch hinter die Ohren schreiben. Wie kann eigentlich, fragen wir uns manchmal, ein Familienvater ruhig schlafen, der sich im Rat seiner Gemeinde gegen die Bewachung des gut besuchten örtlichen Badesees ausspricht, statt dessen für eine Millioneninvestition in das neue Spaßbad votiert und sich für den vermeintlichen Prestigegewinn auch noch feiern und wieder wählen lässt.

Menschen mit Epilepsie haben ein erhöhtes Risiko, zu ertrinken, berichten britische und niederländische Forscher. Dies sei zwar seit längerem bekannt, die Höhe des Risikos sei allerdings noch nicht untersucht worden, geben die Wissenschafter in der Fachzeitschrift "Neurology" an.

Im Oktober ertrinkt der achtjährige Enes im bayerischen Schongau - ausgerechnet beim Schulschwimmen.


November 2008


ImageDer Bodensee, Deutschlands größter Binnensee, forderte nach einem Bericht der Südwest-Umschau im letzten Jahr zehn Tote. 2007 zählte die deutsche Wasserschutzpolizei 70 Unfälle in ihrem Seegebiet.

Knapp vier Jahre nach dem verheerenden Tsunami im Dezember 2004 zieht das Deutsche Roten Kreuz (DRK) eine positive Bilanz. Die meisten der Projekte des Deutschen Roten Kreuzes in Südasien, Südostasien und Afrika stehen vor einem erfolgreichen Abschluss. Schwer abzuschätzen ist, ob die Finanzkrise die Arbeit der Katastrophenvorsorge gefährden könnte.

In Bremen gibt es ein Wiedersehen des Blausand.de - Teams, das Ende Mail 2008 die spektakuläre und viel beachtete Aktion "100EACHDAY" auf Formentera (Spanien) realisieren konnte. Das Team hatte einhundert in blauer Farbe eingefärbte Urlauber aus 7 verschiedenen Nationen als Demonstration gegen das Ertrinken in Europa an den Strand gelegt.


Dezember 2008


Das Landgericht Köln hat das Strafverfahren um einen tödlichen Unfall im Gummersbacher Freizeitbad "Gumbala" gegen Zahlung von Schmerzensgeld eingestellt. Die drei Angeklagten zahlen jeweils 10.000 Euro an die Familie des getöteten Mädchens. Die Zehnjährige war am 19. Mai 2005 in dem Schwimmbad ertrunken, weil ihre langen Haare in einer Messwasserentnahmeöffnung unter der Wasseroberfläche eines Whirlpools angesaugt wurden. Die Haare hatten sich hinter der Öffnung verwirbelt, weshalb das Kind auch mit fremder Hilfe nicht rechtzeitig befreit werden konnte.

Nach einer Studie der Universität Bielefeld kann jeder vierte muslimische Grundschüler (bei den deutschen jeder sechste) nicht schwimmen. Eine Sportwissenschaftlerin wehrt sich gegen eine Dramatisierung des Problems und setzt sich erfolgreich für Schwimmkurse für diese Gruppe ein - mit der Folge langer Wartezeiten.

ImageWährend die Zahl der Ertrinkungstoten in Deutschland kontinuierlich schwankt und eine Tendenz nach unten nicht festzustellen ist, hat die Zahl der Verkehrstoten auf Deutschlands Strassen wieder einmal einen neuen Tiefstand erreicht. Sieben Prozent weniger Verkehrstote als 2007 werden es insgesamt bis Ende des Jahres sein. 4.600 Menschen werden bis Ende 2008 im Strassenverkehr getötet worden sein. Das sind sieben Prozent weniger als im letzten Jahr, wie das Statistische Bundesamt berechnet.

Weltweit sterben jährlich rund 830.000 Kinder bei Unfällen. Wie eine im Dezember veröffentlichte gemeinsame Studie des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergab, kommen pro Jahr weltweit allein 260.000 Menschen bis 19 Jahren bei Verkehrsunfällen ums Leben. Rund 175.000 Kinder ertrinken. Entscheidend sei bei den Opfern vor allem der soziale Faktor, sagte eine WHO-Sprecherin. "Egal ob in Entwicklungs- oder Industrieländern, Kinder aus sozial benachteiligten Schichten haben das größte Risiko, Opfer von Unfällen zu werden."

Am 2. Weihnachtstag 2008 vor 4 Jahren tötete der Tsunami in Asien über 230.000 Menschen, machte über eine Million obdachlos und hinterließ Zerstörungen von unverstellbaren Ausmaßen. Die thailändische Insel Phi Phi, auf der wir mehrere Tauchurlaube verbrachten, wurde auf besonders harte Weise getroffen: Wahrscheinlich kamen allein hier 1000 Menschen ums Leben, wahrscheinlich werden allein hier 1500 Inselbewohner für immer vermisst sein. Wir gedenken der Tsunami-Opfer. Einige von ihnen haben wir gekannt. Interessierten empfehlen wir zwei beklemmende Bücher zum Thema, die uns beeindruckt haben: Phi Phi Island, ein Bericht von Josef Haslinger, erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag, Tsunami, Geschichte eines Weltbebens von Cordt Schnibben, erschienen im Spiegel-Buchverlag.

Während der Weihnachtsfeiertage ertrinken wegen Unwetters mehrere Menschen in Spanien, an der spanischen Costa Brava zwei Deutsche. Wie die Rettungsdienste mitteilten, hatten die beiden Zwillingsschwestern im Alter von etwa 55 Jahren einen Spaziergang an der Felsküste von Calonge unternommen. Dabei seien sie von der großen Welle überrascht worden. Die Strömung habe die Frauen auf das offene Meer hinausgezogen.

In Vorbereitung ist ein Buch des Blausand.de-Gründers Rolf Lüke, das in dokumentarischer Form Entstehungsgeschichten, Ursachen und Konsequenzen aus tödlichen und nicht tödlichen ImageErtrinkungsunfällen beschreibt und nachweist, dass die durchschnittlich einhundert Ertrinkungstoten pro Tag in Europa durch machbare Maßnahmen deutlich reduziert werden könnten. Vorgesehen ist auch ein ausführlicher Serviceteil zum Thema "sicherer Badeurlaub". Gesucht werden Urlauber, Eltern, fast Ertrunkene, Zeugen, Retter, Betroffene und Angehörige, die dem Autor Erfahrungsberichte, Unfallschilderungen und Beobachtungen am und im Wasser zur Verfügung stellen können. Interessenten können sich per Mail () oder telefonisch (0421/7949947) mit dem Autor in Verbindung setzen.


Abschied


Im Jahr 2008 habe ich zwei liebe Freunde verloren.

ImageBernd Fritsch (Bild links), ein enger Freund seit der Studienzeit, starb am 29. Juni 2008 in Barcelona. An dem Tag, als Spanien Europameister 2008 wurde. Wenn der FC Barcelona gegen Werder Bremen im Camp Nou spielte, waren Bernd und ich dabei. Gott sei Dank konnte ich mich wenige Monate vor seinem Tod von ihm verabschieden.

In der Nacht zum 7. November 2008 starb Torsten Hinze nach langer Krankheit in Bremen. Mit Torsten habe ich nicht nur meine intensive emotionale Zuneigung zum Rock'n'Roll über lange Jahre geteilt. Seine Krankheit hatte uns noch intensiver zusammengeführt. Als wir glaubten, dass er es geschafft hatte, hat er uns verlassen.


Blausand-Menschen des Jahres 2008


Andreas Schumacher, Claudia Popp, Manuela und Vicente Bortolazzi, Sabine Zander, Dull Hermann, Daniel Hartmann, Carmen Friedrich, Martin Herrmann, Edith Schneck, Knut und Anke Terjung, Johannes Schultz, Brigitte Flanagan, Jürgen Bushe, Susanne Petermann, Mario Köpers, Michael Blum, Peter Hauptvogel, Bernhard Langer, Michael Müller, Matthias Kröner, Wolfgang Rathgeber, Kerstin Petersson, Marc Hasenjäger, Ulla Suck, Heidi Kück, Werner Hermes, Anke Firlefanz.

© Rolf Lüke, Blausand.de, Dezember 2008


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