Reiseveranstalter: Badesicherheit 2010
Reiseveranstalter machen Badesicherheit selten zum Thema. Beim Badeurlaub in europäischen Urlaubsländern sollte man sich besser nicht auf Hinweise der Reiseveranstalter verlassen, wenn es um die Sicherheit beim Baden geht. In Katalogen, Reiseunterlagen und am Urlaubsort wird nur selten auf Badegefahren hingewiesen. Das hat die Bremer Organisation Blausand.de für Badesicherheit in Europa in einer Untersuchung festgestellt.
Untersucht wurde, ob und wie die Veranstalter ihren Kunden Baderegeln und Informationen zu Gefahren im Wasser vermitteln, ob die Informationen über Broschüren oder durch Reiseiter am Urlaubsort vermittelt werden und ob ImageReiseveranstalter bei der Badesicherheit mit Kommunen, Hotels und Wasserrettern am Urlaubsort kooperieren.

Von den führenden Reiseveranstaltern sind es zwei Unternehmen, die das Thema Badesicherheit 2010 in Katalogen, Reiseunterlagen sowie in Informationsmappen zum Thema machen, Personalschulungen durchführen und durch ihre Reiseleitungen am Urlaubsort aktiv auf Baderisiken hinweisen wollen: TUI in Hannover und der Münchener Reiseveranstalter FTI.

Beide Reiseveranstalter stellen im kommenden Jahr sicher, dass Urlaubsgäste vor Antritt der Reise über Baderegeln und Risiken informiert werden, die Warnhinweise Bestandteile der Informationsmappen am Urlaubsort sind und die Reiseleiter mit qualifizierten Informationen zur Badesicherheit ausgestattet werden, die sie aktiv an die Gäste weitergeben.

Bei den Veranstaltern von Kinder- und Jugendreisen stellen die am Zielort eingesetzten Betreuer einen gewissen Sicherheitsfaktor dar, wenn diese sich an der Badestelle befinden, über eine Rettungsschwimmerausbildung verfügen und darauf achten, dass möglichst nur an bewachten Stränden geschwommen wird. Die Spezialreiseveranstalter Voyage Reisen und das Jugendferienwerk des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen legen Wert auf Informationen für ihre jungen Gäste. Das Jugendferienwerk legt den Reiseunterlagen ein Info-Blatt bei, Voyage Reisen befragt die Eltern vor Reisantritt nach den Schwimmfähigkeiten der jungen Reiseteilnehmer.

Die Reservierungsanbieter für Urlaubsreisen und Hotelleistungen im Internet beschäftigen sich nicht mit dem Thema Badesicherheit.

Untersuchte Reiseveranstalter und Reservierungs-Anbieter:

Führende Reiseveranstalter:
TUI, Jahn Reisen, ITS, Tjaereborg, FTI Touristik, Öger Tours, Thomas Cook, Neckermann Reisen, Alltous Flugreisen, L`tur. Spezialanbieter von Kinder- und Jugendreisen: Ruf Jugendreisen, Jugendferienwerk des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, Voyage Reisen. Reservierungs-Anbieter im Internet: lastminute.com, opodo.de, expedia.de, hotel.de.

"Das Ergebnis ist ernüchternd. Reiseveranstalter sind für Urlauber eine der wichtigsten Informationsquellen für einen sicheren Badeurlaub", sagt Rolf Lüke, Leiter der Organisation Blausand.de. "Gerade sie könnten einen wirksamen Beitrag für ImageBadesicherheit an Europas Urlaubsstränden und für die Reduzierung von Ertrinkungsunfällen leisten".

Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von jährlich mindestens 35.000 tödlichen Ertrinkungsunfällen in Europa aus. Statistisch gesehen ertrinken in Europa demzufolge täglich 100 Menschen. Die Hauptgründe bestehen nach Auffassung von Blausand.de in unzureichenden Warn- und Sicherheitsbedingungen, im Mangel an Aufklärung und wenig ausgeprägtem Gefahrenbewusstsein. Nach Meinung von Sicherheitsexperten könnten 80 Prozent aller tödlichen Badeunfälle durch präventive Maßnahmen verhindert werden.

Im Rahmen der Untersuchung wurde auch die Frage gestellt, was innerhalb und außerhalb des Verantwortungs- und Einflussbereichs der Unternehmen angesichts von 100 Ertrinkungsopfern pro Tag in Europa und der um ein Vielfaches höheren Zahl von Beinah-Ertrinkungsfällen geschehen müsste, um die Badesicherheit zu erhöhen.

Auszüge aus den Antworten der befragten Reiseveranstalter:

"Zunächst müsste vor allem eine Sensibilisierung und ein Aufmerksam machen auf die Gefahren in breiten Bevölkerungsschichten bewirkt werden. Darüber hinaus wäre ein einheitliches, europaweites System zur Beflaggung von Stränden sinnvoll, um Bürger aller Länder leicht erkennbar über die jeweilige Gefahrensituation eindeutig zu informieren". (Frank Hütten, FTI Touristik, München)

"Eine Beschilderung an Badestränden, die auf mögliche örtliche Gefahren hinweist, halten wir für absolut sinnvoll und wichtig. Auch Notrufsäulen bzw. Tafeln mit entsprechenden Telefonnummern sind ein wichtiger und richtiger Schritt für mehr Sicherheit. An stark frequentierten Urlaubsstränden ist - wie es ja auch schon in vielen europäischen Ländern der Fall ist - der Einsatz von gut ausgebildeten Rettungsschwimmern (Baywatch, DLRG) das beste Mittel, um Badeunfälle zu verhindern. Neben Maßnahmen wie diesen sollte vor allem an das verantwortungsbewusste Handeln der Urlauber appelliert werden. Dazu tragen Kampagnen wie "Die zehn häufigsten Irrtümer über das Ertrinken" und auch andere ihrer Aktionen bei". (Nina Meyer, L`tur, Baden-Baden)

"Trotz unserer Anstrengungen für mehr Informationen und Sicherheitsvorkehrungen liegt der wohl größte Hebel in der Eigenverantwortung der Urlauber". (Michael Blum, TUI, Hannover)

"Grundsätzlich werden unsere Betreuer darauf hingewiesen, dass nur an den Badestränden gebadet werden darf, die 1. von einer ausgebildeten Badeaufsicht betreut werden und 2. die in der jeweiligen Situation von der Gemeinde freigegeben werden (Beflaggung). Unsere Betreuer weisen alle Jugendlichen darauf hin, dass nur dann gebadet werden kann, wenn von der Gemeinde das Baden freigegeben ist. Und vor allem nur dann, wenn mindesten ein Betreuer dabei ist. Dieser Betreuer darf sich nicht im Wasser aufhalten, da er nur vom Strand aus eine Übersicht erhalten kann. Hinweise auf Gefahren werden von den Betreuern an die Jugendlichen von Beginn der Reise weitergegeben. Hinweise zu Besonderheiten erhält er von der Badeaufsicht. Leider ist es so, dass nicht überall eine ausreichende Information zur Verfügung steht. In solchen Fällen ist der Betreuer angewiesen, sich direkt bei uns (Veranstalter) zu melden. Wir werden dann die notwendigen Informationen einholen. Sollten dann immer noch nicht genügend Informationen vorhanden sein, gibt es ein absolutes Badeverbot. Aus unserer Sicht gibt es zu wenig Informationen und Hinweisschilder vor Ort. Viele Badeseen sind sogar unbeaufsichtigt. Unsere Betreuer müssen sich die Informationen bei sehr viel Aufwand besorgen. Des Weiteren sind diese Angaben oft ungenau. Es gibt in der Regel sehr wenig Informationen über Strömungen und deren Gefahren - vor allem die Gefahren, die bei Sog entstehen, werden sehr unterschätzt. Leider ist die Informationspolitik vor Ort sehr schwach. Es müsste eine europaweite Kampagne geben, die im TV, Internet, Radio und Zeitungen gestartet wird". (Harry Barsch, Jugendferienwerk des LandesSportBundes NRW, Duisburg)

"Bezüglich Badesicherheit an Urlaubsstränden unternehmen wir keine Informationsmaßnahmen. hotel.de ist ein reiner Hotelreservierungs-Service. Die Weitergabe von eventuellen Baderegeln oder Information über Gefahren obliegt somit eher den Hotels und Einrichtungen vor Ort". (Timo Vavrinec, hotel.de, Nürnberg)

"Über die verschiedenen Ausschüsse und Arbeitsgruppen im Verband deckt der Deutsche ReiseVerband (DRV) dieses Thema ab. Der DRV drängt dabei bei unternehmensübergreifenden Problemen oder konkreten Beanstandungen, die Mitglieder an den Verband herantragen, direkt bei den zuständigen Stellen bei Ländern oder Behörden auf Verbesserungen und fordert auf politischer Ebene Abhilfe ein". (Torsten Schäfer, DRV Deutscher ReiseVerband e.V., Berlin)

"An der französischen Atlantikküste kooperieren wir im Rahmen unserer Wellenreitausbildung eng mit den örtlichen Wasserrettungsorganisationen. Hier besteht man auch darauf, dass unsere Mitarbeiter über eine Rettungsschwimmausbildung verfügen, wenn sie sich mit unseren Reisegästen am Wasser aufhalten. Oft stelle ich fest, dass unsere jugendlichen Urlaubsgäste nicht über die Gefahren am und im Wasser bescheid wissen und sich auch keine Vorstellung davon machen können, wie gefährlich das Baden in einem offenen Gewässer sein kann. Unsere Jugendreiseleiter werden oft nicht richtig ernst genommen, wenn sie ihren heranwachsenden Teilnehmern mögliche Gefahren aufzeigen. Hier würde ich mir mehr Aufklärung in diesem Bereich seitens der Schulen wünschen". (Kai Nitzke, VOYAGE Reiseorganisation GmbH - GO Jugendreisen, Augustdorf)

"In unseren Katalogen als familienfreundlich ausgewiesene Anlagen verfügen i. d. R. über flach abfallende Strände mit guter Badesicherheit, wie Infotafeln mit Schwimm- bzw. Baderegeln am Pool und an den Stränden. Die Bedeutung der Orientierungsfahnen am Strand (grün, orange, rot) sind meist erläutert und helfen den Gästen, die Badesituation korrekt einzuschätzen. Wenngleich die Überwachung der Strandabschnitte dem jeweiligen Hotel obliegt, sind unsere Hotel-Partner natürlich auf einen sicheren Aufenthalt der Gäste bedacht; zu den entsprechenden Maßnahmen zählt regelmäßig z.B. die Überwachung der Strände durch Rettungsschwimmer-Personal. Darüber hinaus geben unsere professionellen Reiseleiter gern Auskunft zum Thema und weisen in Gegenden mit freien Strandabschnitten, wie z. B. in Alanya, bei den Informationsveranstaltungen zum Ferienauftakt auf die Gefahren hin. Hier ist es natürlich auch an den Gästen, diese Informationsveranstaltungen wahrzunehmen. Zusätzlich zu den Maßnahmen, die wir bereits umsetzen, können wir uns sehr gut vorstellen, unsere Aktivitäten zu diesem Themenbereich auszuweiten bzw. zu vertiefen, da wir die Badesicherheit unserer Gäste als sehr wichtig erachten. Denkbar wäre eine spezielle Schulung unserer Reiseleiter oder auch die Auslage von Infoblättern mit Baderegeln etc. in den Informationsmappen im Zielgebiet. Wir würden uns deshalb freuen, wenn wir in einem gemeinsamen Gespräch die Möglichkeiten der Kommunikation erörtern könnten bzw. für die Umsetzung auch auf Material aus Ihrem Hause zurückgreifen könnten". (Verena Schulz, Öger Tours, Hamburg)

"Auf Expedia.de können Bucher mit Hilfe des Strand-Inspirators ihren Lieblingsstrand finden. Der User entscheidet gleich zu Beginn der Reiseplanung, über welche Eigenschaften der Strand verfügen soll (wie beispielsweise Blaue Flagge/Wasserqualität) und erhält anschließend passende Strände mit detaillierten Beschreibungen, Fotos und 360-Grad Panoramaansichten sowie direkt in der Nähe des Strandes liegende Hotels, Urlaubsziele und -angebote. Zudem erhalten die User in der Rubrik "Karten und Ziele" detaillierte Länderinformationen und Sicherheits- und Gesundheitshinweise über das Reiseziel. Bei Pauschalreisen finden die Bucher in Ihren persönlichen Reiseunterlagen Hinweise über das Reiseziel. Für die Unterlagen ist der jeweilige Reiseveranstalter verantwortlich". (Andreas Thoma, fischerAppelt Kommunikation München für Expedia.de)


Forderungen der Organisation Blausand.de für mehr Badesicherheit in Europa :

ImageImageBeim klassischen Pauschal-Badeurlaub mit einer Unterbringung in Strandnähe fordert Blausand.de gegenüber den Reiseveranstaltern, die Gäste mit den Reiseunterlagen, über die in den Unterkünften ausliegenden Informationsmappen und durch aktive Aufklärung durch die Reiseleiter über Badegefahren zu informieren, das heißt, sie für die Gefahren im Meer und im Hotelpool zu sensibilisieren und dabei die wichtigsten Baderegeln im Meer (nur an bewachten Stränden, nie allein und nie bei roter Flagge baden und schwimmen) zu vermitteln. Allgemeine Hinweise wie etwa "Vorsicht beim Baden" reichen nicht aus.

Informationen zur Badesicherheit sollten im Interesse der Sicherheit beim Baden und Schwimmen als Serviceleistung verstanden werden und die Anbieter sollten in Kooperation mit Dachverbänden, Kommunen, Hotelpartnern, Dienstleistern und Regierungen bessere Konzepte für Information, Warnung, Bewachung und Rettung entwickeln.

Blausand.de hat in den letzten Jahren bei Befragungen an europäischen Stränden verstärkt registriert, dass bedingt durch die gestiegene "All inclusive" - Einstellung von Urlaubern die eigene Verantwortung an den Reiseveranstalter delegiert wird.

Diese wiederum - auch das hat die Untersuchung ergeben - weisen die Notwendigkeit der Aufklärung ihrer Kunden von sich und vertreten die Auffassung, die Kommunen seien für die Sicherheit zuständig.

In den letzten 2 Jahren an spanischen, türkischen, portugiesischen und deutschen Stränden mit Strömungsgefahren durchgeführte Befragungen haben ergeben, dass nur zwischen 3 und 4 Prozent der Badegäste ein Bewußtsein für die Ertrinkungsgefahr Nummer 1 am Mittelmeer und am Atlantik haben - die Gefahr von Rip-Strömungen. Der Anteil der Befragten, die Informationen zum richtigen Verhalten in Rip-Strömungen haben, liegt sogar  noch darunter.

Für Unfälle, bei denen Individualreisende an öffentlichen Badestellen zu Schaden kommen, müssen sowohl die für den jeweiligen Strand zuständige Kommune (durch Warnsignale, Warnflaggen, Bewachung und professionelle Rettung) als auch Urlauber (durch Verpflichtung, sich über Gefahren zu informieren, durch Wahrnehmung von Eigenverantwortung und die permanente Aufsicht von Kindern) in die Pflicht genommen werden.

Mehr Infos
Die tabellarische Übersicht senden wir Ihnen auf Anfrage als PDF-Datei zu. Bitte wenden Sie sich an

Presse
Eine DPA-Pressemeldung zur Blausand.de-Untersuchung auf sueddeutsche.de lesen Sie hier.

Durchführung und Recherche:

Rolf Lüke, Blausand.de, 2009
Mitarbeit:
Stephan Schiller, Bundesforum Kinder- und Jugendreisen e.V.
Untersuchungszeitraum. November 2009

< Zurück   Weiter >

 
   September 2009

   August 2009

   Juli 2009

   Juni 2009

   Mai 2009

   April 2009

   März 2009

   Februar 2009

   Januar 2009

   Dezember 2008

   November 2008

   Oktober 2008

   September 2008

   August 2008

   Juli 2008

   Juni 2008

   Gästebuch 2010

   Gästebuch 2009

   Gästebuch 2008

   Kampagne 2009

   Kampagne für mehr Sicherheit in Flüssen und Seen

   test2

   Gästebuch 2010

   Übersichten

   Kampagne 2009

   Strandgeschichten

   Reports

   Interviews

   Unfälle

   Flaggen

   Zehn Irrtümer

   Impressum

   Blausandteam

   Presse

   Pressespiegel

   Links

   Werbung

   Webstatistik

   International

   Deutschland

   Dänemark

   Holland

   England

   Frankreich

   Spanien

   Portugal

   Italien

   Türkei

   Griechenland

   Schwarzmeerküste

   Weltweit

   Meer

   Badeseen

   Flüsse

   Schwimmbäder

   Eisflächen

   Tsunamis

   Strömungen

   Allgemeine Gefahren

   Badetipps

   Erste Hilfe

   Urlauber

   Kinder

   Eltern

   Senioren

   Retter

   Beach Safety Day

   Spenden

   Strandtester

   Forderungen

   Prominente

   Blausand Scouts

   Urlaubsquiz 2010

   Protest gegen Todesfallen

   Rip-Strömungen

   Ursachenforschung

   Kids for safety

   Risk Assessment

   "stilles Ertrinken"

   Urlaubsservice 2010

   Blausand Shop

   Workshops, Vorträge

   Qualitätssiegel

   TV-Sendungen

   Strandbewertung

   Newsletter-Abo