Schwimmbäder
ImageSchwimmbäder haben sich in den letzten Jahren radikal verändert. Heute werden statt Lehrschwimmbecken Spassbäder mit möglichst hohem Fun-Faktor angeboten.  Der grösste Nachteil für die Badesicherheit ist, dass Schwimmen lernen immer weniger möglich ist und die Anlagen unübersichtlich geworden sind.

Der Vorteil beim Schwimmen in  öffentlichen Schwimmbädern: Sie sind  im Gegensatz zu vielen Badeseen bewacht und im Notfall gibt es eine schnelle Verfügbarkeit von Erster Hilfe.


Paul Bröcher,  Präsident des "Bundesverband Deutscher Schwimmeister e.V.",  schreibt zum  "Beach Safety Day 2005"  von Blausand.de die nachfolgende Stellungnanhme:

"Wird Deutschland ein Land der Nichtschwimmer?

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister e. V., Paul Bröcher, sowie kompetente Repräsentanten der Wasserrettungsorganisationen und des Deutschen Sportbundes weisen darauf hin, dass immer mehr Menschen in Deutschland nicht mehr schwimmen können.

Besonders erschreckend: 33,9 Prozent der Kinder unter 14 Jahren können nicht schwimmen; bei den Erwachsenen liegt die Zahl bei erschreckenden 23 Prozent.

Es dürfte auch den Politikern nicht verborgen geblieben sein, dass das Schwimmen in Deutschland zu den beliebtesten Sportarten gehört. 470 Menschen ertranken im verregneten Sommer 2004.

Auffällig ist dabei, dass drei Viertel aller tödlichen Unfälle an Flüssen und Seen passieren, also immer dort, wo es wenig oder keine Wasseraufsicht gibt, weil die Wasserrettungsorganisationen keine Kapazitäten haben, auch an den sogenannten wilden Badeplätzen die Aufsicht zu übernehmen.

ImageEinen weiteren, wesentlichen Grund der Schwimmschwäche in Deutschland sieht der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister darin, dass immer mehr Bäder schließen oder zu ausbildungsungeeigneten Spaß- und Freizeitbäder umgewidmet werden. Der Eintritt in diese Bäder ist unverhältnismäßig hoch und es müssen oft lange Wege in Kauf genommen werden.
Der Eintritt in diese Bäder ist unverhältnismäßig hoch und es müssen oft lange Anfahrtswege in Kauf genommen werden.

Zum einen sinkt, wie schon erwähnt, die Zahl der ausbildungsgeeigneten Bäder insgesamt, zum zweiten ist der Schulschwimmunterricht erfahrungsgemäß mit einem hohen organisatorischen Aufwand für die Schule verbunden, da die Kinder und Lehrer aufgrund der Entfernung häufig mit dem Bus zum Schwimmbad gebracht werden müssen.

Von der in der Regel zwei Unterrichtsstunden bleiben den Kindern maximal 45 Minuten Wasserzeit. Drittens darf die Schulleitung nur Lehrpersonal beim Schwimmunterricht einsetzen, die eine aktuelle Rettungsfähigkeit (nach Ländererlasse) besitzen.

ImageAlters- und gesundheitsbedingt mangelt es an Lehrern, die rettungsfähig und methodisch-didaktisch in der Lage sind, Schwimmen zu unterrichten. Viele Grundschullehrer unterrichten fachfremd, so dass ein hoher Bedarf an Nachqualifizierungsmaßnahmen besteht; obwohl dieses Problem bekannt ist, gibt es einen Mangel an Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer.

Gründe, die Schwimmschwäche in Deutschland zu bekämpfen, ließen sich beliebig fortsetzen.

Der Fachverband Bundesverband Deutscher Schwimmmeister stellt aber fest: Aufgrund ungenügender Schwimmerziehung und Schwimmpraxis ist zu befürchten, dass die Gefahr des Ertrinkens und die Zahl der Unfalltoten durch Ertrinken weiter steigen wird.

Dem muss vor allem durch verstärkt angebotenem Schwimmunterricht an den Grundschulen, aber auch in den öffentlichen Bädern entgegen gewirkt werden.

Außerdem können so auch die unter Kindern immer mehr zunehmenden motorischen Defizite, die zunehmende Übergewichtigkeit verringert und ihre geistige Aufnahmefähigkeit für schulische Leistungen verbessert werden.

Hier sind die Kultusministerien gefordert."
Paul Bröcher
Präsident des "Bundesverband Deutscher Schwimmmeister e.V."
zum Beach Safety Day am 15. Juni 2005

Urteile zum Thema Schwimmbäder:

Image Die Badbetreiber dürfen nicht überfordert werden - Erleidet ein Junge in einem Freibad einen Schwächeanfall und droht er zu ertrinken, wird der Vorfall aber erst einige Minuten später vom Bademeister entdeckt (der ihn wiederbelebt), so kann der Freibadbesucher weder Schmerzensgeld noch Schadenersatz verlangen. Ein Bademeister kann nicht "jederzeit überall" sein. Eine solche Badeaufsicht würde die Schwimmbadbetreiber überfordern. (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, 1 U 7/04)

Lückenlos muss nicht beaufsichtigt werden - Zwar muss der Betreiber eines öffentlichen Schwimmbads eine Aufsichtsperson für eine Wasserrutsche bereitstellen, um einzuschreiten, wenn Besucher nicht vorschriftsmäßig rutschen. Allerdings reicht es aus, wenn die Aufsicht (meist der Bademeister) von ihrem Standort aus die Rutsche überblicken kann. Eine lückenlose Aufsicht ist nicht praktikabel.
(Oberlandesgericht Stuttgart, 4 U 119/03)

Wenn ein Mädchen "zu schnell" ertrinkt... - Ist nach einem Sachverständigengutachten davon auszugehen, dass der Tod eines 10jährigen Mädchens in einer Schwimmhalle bereits innerhalb von 90 Sekunden eingetreten ist, nachdem es in das Becken gefallen war, und sind weder dem Bademeister noch der begleitenden Erzieherin Aufsichtspflichtverletzungen nachzuweisen, so können die Eltern des Kindes keinen Schadenersatz verlangen. Es hat sich um ein "unauffälliges, in kürzester Zeit abgelaufenes Geschehen" gehandelt, welches nicht durch "ungewöhnliche Geräusche oder anhaltende, Aufmerksamkeit erregende Bewegungen begleitet gewesen ist". (Oberlandesgericht Dresden, 4 U 1496/04)

Ständige Rutschenaufsicht muss nicht sein - Der Betreiber eines Freizeitbades verletzt seine Verkehrssicherungspflicht nicht, wenn er die 90 Meter lange Wasserrutsche nicht ständig von einem Bademeister überwachen lässt, da das unzumutbar hohe Personalkosten mit sich bringen würde. Die Folge: Ein Mädchen, dass sich einen Zahn ausschlägt, weil sie auf der Rutsche auf ein "stecken gebliebenes" (hier: dickes) Mädchen "aufrutscht", kann keinen Schadenersatz verlangen. (Oberlandesgericht Celle, 9 U 80/03)

Treppe im Schwimmbad muss "sichtbar" sein - Ist die Treppe in einem Schwimmbad nur schwach beleuchtet, so dass sie nur bei gehöriger Aufmerksamkeit erkannt werden kann, muss der Betreiber des Bades Schadenersatz leisten, wenn ein (hier: 70jähriger) Besucher die Stufen übersieht und sich schwer verletzt (hier unter Berücksichtigung eines 25prozentigen Mitverschuldens). (Oberlandesgericht Hamm, 13 U 2/00


 
   September 2009

   August 2009

   Juli 2009

   Juni 2009

   Mai 2009

   April 2009

   März 2009

   Februar 2009

   Januar 2009

   Dezember 2008

   November 2008

   Oktober 2008

   September 2008

   August 2008

   Juli 2008

   Juni 2008

   Gästebuch 2010

   Gästebuch 2009

   Gästebuch 2008

   Kampagne 2009

   Kampagne für mehr Sicherheit in Flüssen und Seen

   test2

   Gästebuch 2010

   Übersichten

   Kampagne 2009

   Strandgeschichten

   Reports

   Interviews

   Unfälle

   Flaggen

   Zehn Irrtümer

   Impressum

   Blausandteam

   Presse

   Pressespiegel

   Links

   Werbung

   Webstatistik

   International

   Deutschland

   Dänemark

   Holland

   England

   Frankreich

   Spanien

   Portugal

   Italien

   Türkei

   Griechenland

   Schwarzmeerküste

   Weltweit

   Meer

   Badeseen

   Flüsse

   Schwimmbäder

   Eisflächen

   Tsunamis

   Strömungen

   Allgemeine Gefahren

   Badetipps

   Erste Hilfe

   Urlauber

   Kinder

   Eltern

   Senioren

   Retter

   Beach Safety Day

   Spenden

   Strandtester

   Forderungen

   Prominente

   Blausand Scouts

   Urlaubsquiz 2010

   Protest gegen Todesfallen

   Rip-Strömungen

   Ursachenforschung

   Kids for safety

   Risk Assessment

   "stilles Ertrinken"

   Urlaubsservice 2010

   Blausand Shop

   Workshops, Vorträge

   Qualitätssiegel

   TV-Sendungen

   Strandbewertung

   Newsletter-Abo