Elisabeth Seitz über den Ertrinkungstod ihres Mannes auf Sizilien (2003)

ImageMein Mann und ich hatten vor, vom 13. bis 31. Oktober 2003 einen gemeinsamen Urlaub auf Sizilien zu verbringen. Am 13. Oktober flogen wir nach Palermo (Italien) und bezogen Quartier auf dem Campingplatz "Camping degli Ulivi", der in Sferracavallo nahe bei Palermo liegt. Am Donnerstag, den 16. Oktober planten wir, auf den Monte Pellegrino zu fahren. Während der Fahrt Richtung Monte Pellegrino suchten wir eine Bar für das Frühstück.
Dabei sahen wir, dass am Strand von Mondello zwei Männer in den Wellen badeten. Wir beschlossen, nach einem kleinen Frühstück das Gleiche zu tun und erst danach zum Monte Pellegrino aufzubrechen. In einer Bar in Mondello tranken wir Cappucino und aßen ein Cornetto. Dann packten wir die Badesachen, die im Auto mit dabei waren, und gingen zum Strand. Wir hatten Ausweise und Geldbeutel dabei, deswegen wollten wir abwechselnd schwimmen.

Mein Mann, der im Urlaub immer Tagebuch führte, beschrieb den Morgen am Campingplatz, das Frühstück in Mondello und maß bereits am Strand um 09:30 Uhr den Luftdruck (er war Vermessungsingenieur und interessierte sich stets für das Wetter).

Kurz nach 9:30 Uhr ging mein Mann als Erster ins Wasser. Er lief durch das seichte Wasser, durchschritt die ersten kleinen Wellen und fing an zu schwimmen. Ich blieb mit unseren beiden Taschen und seinen Kleidern am Strand zurück, krempelte meine Hosenbeine hoch und lief durch das seichte Wasser. Mein Mann bewegte sich vom Strand weg.

Plötzlich kam eine Welle, schwappte über meine Beine und durchnässte meine Hose oberhalb der Knie. Ich war überrascht von der Heftigkeit, ging rückwärts aus dem Wasser heraus, nahm schnell beide Taschen und die Kleidung meines Mannes, um sie vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen. Sofort schaute ich nach meinem Mann. Ich sah, dass er relativ weit draußen war und mit den Armen heftig schwamm. Ich bekam ein ungutes Gefühl, winkte mit den Armen und rief: "Hey, Roland, … schwimm nicht so weit raus!" Mein Mann hörte mich nicht und reagierte auch nicht. Ich sah, dass sich ihm eine brechende Welle näherte. Sein Kopf wurde vom Wasser überspült, dann sah ich ihn wieder. Eine zweite Welle näherte sich. Ich bekam Angst, fing an zu rufen und zu schreien.

Direkt hinter mir befand sich eine Bar, an der sich drei Männer aufhielten. Einer kam auf mich zu und fragte was los ist. Ich erklärte ihm, dass da draußen mein Mann schwimmt und ich Angst um ihn hätte. Nachdem die zweite Welle über meinen Mann geschwappt war, sah ich ihn nicht mehr. Ich hatte inzwischen riesige Angst. Nach wenigen Augenblicken, in denen mein Mann nicht wieder auftauchte, sagte der Mann von der Bar: "Chiamo il soccorso 113!" ("Ich rufe den Notruf!"). Ich nickte und sagte: "O.k! D'accordo!" ("Ich bin einverstanden!").

ImageEinige Minuten darauf waren mehrere Polizisten am Strand. Einer nahm mir das Fernglas ab, das mein Mann in seiner Tasche mitführte und mit dem ich inzwischen nach ihm suchte. Der Polizist drängte mich zurück und schaute selbst mit dem Fernglas. Mehrere der Polizisten telefonierten mit den Handys. Ich fragte, was jetzt geschieht, ob zum Beispiel ein Rettungsschiff kommt. Am unteren Ende des Strandes waren zwischenzeitlich mehrere Wellenreiter ins Wasser gegangen. Ich hatte den Eindruck, dass der Polizist in ihre Richtung sah. Dann sagte er: Ein Helikopter wird kommen. Erneut sagte ich "o.k". Ich machte mir Hoffnungen. Ich dachte, mein Mann ist ein Bergsteiger, er ist hart und geschickt, er treibt irgendwo im Wasser und kommt wieder zurück an Land. Bojen im Wasser hielt ich für seinen Kopf. Es war nun ungefähr eine halbe Stunde vergangen. Trotz der Hoffnungen war mir bewusst, was dies bedeutete.

Plötzlich gingen die Polizisten in Richtung Wellenreiter. Mich drängten sie erneut zurück. Ein Mann, der am Strand war, blieb an meiner Seite. Die Wellenreiter bückten sich und ich sah, dass einer eine Person, die im Wasser trieb, unter den Achsel zu fassen suchte. Der Wellenreiter stürzte vom Brett, die Person entglitt ihm wieder. Der Wellenreiter stieg erneut auf sein Brett, wieder bückten sich zwei Wellenreiter ins Wasser. Polizisten waren ebenfalls zu der Stelle geeilt und liefen durch das seichte Wasser. Gemeinsam borgen sie meinen reglosen Mann. Es war inzwischen gut nach 10:40 Uhr.

Ich fing an, auf meinen Mann zuzulaufen. Ich hatte erst einen kleinen Teil des Weges zurückgelegt, als die Ambulanz mit quietschenden Reifen vorfuhr, mehrere Personen aus dem Wagen sprangen, zu meinem Mann liefen, sich um ihn kümmerten und wenige Minuten darauf eine Decke über ihn breiteten. Ich war im Schockzustand.

Danach begann das Warten auf den Amtsarzt und das Verhör durch die Polizisten. Eine Deutsch sprechende Dame, die früher am Goetheinstitut gearbeitet hatte, und ein Mann, der am Empfang des Palace-Hotels in Mondello arbeitet und mit einer Deutschen verheiratet war, kümmerten sich um mich. Die Amtsärztin kam nach etwa zweieinhalb Stunden. Der leitende Polizist erklärte mir, mein Mann sei ertrunken. Danach nahmen mich die Polizisten mit zum Commissariato Mondello, um den Bericht aufzunehmen.

Die Nacht musste ich nicht auf Campingplatz verbringen, sondern konnte bei der Deutsch sprechenden Dame in der Wohnung bleiben. Mein Mann wurde am späten Abend zum Friedhof Cimitero dei Rotoli (Palermo) gebracht. Polizisten bauten das Zelt auf dem Campingplatz ab und brachten es mir.

Die Mutter und ein Bruder meines Mannes sowie meine beiden Brüder kamen nach Palermo. Vom Bürgermeister von Palermo und seinem Büro erhielten wir alle große seelische, organisatorische und finanzielle Unterstützung. Wir konnten bereits am Samstag, den 18. Oktober gemeinsam nach München zurückkehren. Die Leiche meines Mannes wurde nach Frankfurt geflogen und anschließend mit dem Auto nach München gefahren.



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